Genau diese drei Werke hatten aber auch die Begehrlichkeit des maßlosen Sammlers und Kunsträubers Hermann Göring
geweckt. So kamen sie schon im Herbst 1939 nach Berlin und wurden im Kaiser-Friedrich-Museum (dem heutigen Bode
Museum, wo die „Dame“ 2011 erneut zu sehen war) untergebracht.
Als Hans Posse, Direktor der Dresdner Sempergalerie und Hitlers Kommissar für das geplante Führermuseum in Linz, im
Dezember 1939 nach Polen reiste hielt er nur die drei Czartoryski-Bilder für wert in das monströse Supermuseum
aufgenommen zu werden. Warum Hitler sie nicht für sich forderte ist unbekannt. So stritten sich Frank und Göring um
Leonardo, Raffael und Rembrandt.
Der österreichische Kunsthistoriker und SS-Brigadeführer Kai Mühlmann, ein im ganzen besetzten Europa marodierender
Nazi-Kunsträuber im staatlichen Auftrag, musste zweimal mit den empfindlichen Werken zwischen Krakau und Berlin hin
und her fahren. Am Ende setzte sich Frank durch und hängte Cecilia Gallerani in sein Musikzimmer auf dem Wawel, wo der
selbsternannte Feingeist schwelgerisch Chopin spielte.
Am 17. Januar 1945 floh Hans Frank in einer Wagenkolonne nach Oberbayern, im Gepäck die drei Hauptwerke aus dem Czartoryski-
Museum. Als ihn die Amerikaner am 4. Mai im „Haus Bergfrieden“ am Schliersee fassten, hingen dort die „Dame mit dem Hermelin“
und der Rembrandt an der Wand.
Insgesamt siebenmal fuhr der polnische Kunsthistoriker Prof. Karol Estreicher zwischen 1945 und 1948 kreuz und quer durch das
besetzte Deutschland. In polnischer Uniform, ausgestattet mit Vollmachten der Warschauer Regierung, fahndete er an der Spitze eines
Suchtrupps nach geraubten polnischen Kunstschätzen. In Nürnberg und auf Schloss Wiesenthau fand er den geraubten, von
Feuchtigkeit und Holzwürmern befallenen Veit-Stoβ-Altar. Bald darauf entdeckte er die Gobelins und die Porzellan-Sammlung aus dem
Krakauer Wawel-Schloss, Canalettos Veduten (wirklichkeitsgereue Darstellungen) des Warschauer Stadtbildes im 18. Jahrhundert und
weitere gut 35.000 von den Nazis geraubte polnische Kunstgegenstände.
Der erste Zug mit siebenundzwanzig Güterwaggons traf am 30. April 1946 in Kraków ein. Von amerikanischen Soldaten bewacht,
brachte er auch die „Dame mit dem Hermelin“ nach Polen zurück. Stolz zeigte sie Estreicher auf dem Bahnsteig den Pressefotografen.
Ein halbes Jahr später, am 1. Oktober 1946, wurde Hans Frank in Nürnberg gehängt. Das Jünglingsporträt Raffaels, das der „Frau mit
dem Hermelin“ Leonardo da Vincis an Ausstrahlung in Nichts nachsteht, bleibt bis heute verschollen. Hat es Franks Ehefrau womöglich
bei einem bayerischen Bauern gegen Lebensmittel eingetauscht und es harrt unerkannt auf irgendeinem Hof seiner Entdeckung?
http://www.radiodienst.pl/viel-tamtam-adrenalin-incl-die-dame-mit-dem-hermelin/