Franz von Assisi Kirche-Mexikoplatz Wien
Die Kirche heisst auch "Kaiser-Franz-Joseph-
Jubiläumskirche", benannt nach dem Namenspatron
des Kaisers, oder "Trinitarierkirche zum Heiligen Franz
von Assisi" geweiht eben diesem Heiligen, oder kurz
"Mexikokirche", wie sie die Einheimischen nennen.
Sie steht am Mexikoplatz, nahe dem Vergnügungspark
des Prater und direkt vor der Reichsbrücke.
Zunächst zum Mexikoplatz: er hiess früher Erzherzog
Karl-Platz der 1956 umbenannt wurde. Ein
Gedenkstein vor der Kirche trägt die erklärende
Inschrift: Mexiko war im März 1938 das einzige Land,
das vor dem Völkerbund offiziellen Protest gegen den
gewaltsamen Anschluss Österreichs an das
nationalsozialistische Deutsche Reich einlegte. Zum
Gedenken an diesen Akt hat die Stadt Wien diesem
Platz den Namen Mexiko-Platz verliehen. Wer denkt
dabei nicht auch auch an die Erschiessung des Bruders
von Kaiser Franz Joseph I., Ferdinand Maximilian,
König von Mexiko, im Jahre 1867 in Mexiko?
Maximilian I (Mexico)
Zur Kirche: sie sollte dem 50-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser
Franz Josefs I. gewidmet werden, und da sie aus Spendenmitteln
finanziert wurde, dauerte ihr Bau entsprechend lange (1900-
1910). Ihr monumentaler Baukörper und ihr massiver Turm
erinnern daran, dass sie ursprünglich als Garnisonkirche gedacht
war. Sie ist übrigens nicht geostet. Betreut wurde die Kirche
vorerst von den Salvatorianern aus Kaisermühlen, und seit 1917
von den Trinitariern aus Gersthof. Der Trinitarier Konvent kam
ursprünglich aus Spanien, daher wurden deren Mönche (auch
wegen ihres weißen Habits) Weißspanier" genannt (zum
Unterschied von den aus dem spanischen Montserrat berufenen
Benediktinern, den Schwarzspaniern).
Die Übernahme der Kirche durch die Trinitarier hatte einen
augenfälligen Einfluss auf das Kircheninnere, der als
kunsthistorisches Schmankerl angesehen werden kann.
Geschmückt war die Kirche ursprünglich mit franziskanischen
Heiligenstatuen, etwa dem Hl. Antonius oder der Hl. Klara (von
Assisi). Als die Trinitarier die Kirche übernahmen, gestalteten sie
diese Statuen einfach zu Heiligen des Trinitarierordens um,
indem sie nicht nur die franziskanisch braunen Kutten auf weiße
mit dem typisch blau-roten Kreuz der Trinitarier umpinselten,
sondern auch deren Attribute auswechselten.
Statue des Hl Franziskus mit
blau-rotem Trinitarier Kreuz
Diese "Ungeheuerlichkeit" ist ein Beispiel mehr
von der Vereinnahmung von Kunstwerken
durch Andersgläubige. Dies hatte sich im
Grossen schon anderswo ereignet, etwa in
Puebla wo die spanischen Eroberer im 16. Jh.
die Kirche "Iglesia de Nuestra Señora de los
Remedios" justament auf die Pyramidenspitze
von Cholula stellten - abtragen der Pyramide
wäre zu mühsam gewesen - und in Andalusien,
wo mit Billigung des Habsburger Kaisers Karl V.
(Karl I. von Spanien) vom dortigen Bischof ein
Kirchenschiff in platereskem Stil
direkt in die Mesquita von Cordoba eingebaut
wurde, und das Minarett durch einen
Glockenturm ersetzt wurde.
Neu in Wien diesmal nur, dass es in derselben
Glaubensgemeinschaft, nämlich der röm. kat.
Kirche geschah.
Pyramide von Cholula
Mezquita Cordoba