Cellini war ursprünglich Goldschmied und hat vielen Herren gedient. Nach der
Anfertigung seiner 7 kg schweren Saliera für François I. in Fontainebleau goss er das
1.5 Tonnen schwere Perseus Strandbild im Auftrag von Cosimo I. in Florenz. Aus
Bronze, nicht aus Gold. Das Original steht noch heute auf der Piazza della Signoria
(Loggia dei Lanzi = Landsknechthalle), allerdings ohne die 4 Kleinbronzen im Sockel,
deren Originale - vermutlich aus Angst vor Dieben - im Bargello Museum
Unterschlupf fanden. Das Standbild zeigt den "Helden" Perseus, der eben der
unglücklichen Medusa den Kopf abgeschlagen hat, und diesen triumphierend in die
Höhe hält. Bei einem derartigen Gewaltsausbruch stellt sich natürlich die Frage, wie
es dazu kommen konnte.
Zunächst zur Medusa. Wenn man Ovid glaubt, war sie die schönste der 3 Gorgonen
Schwestern, zumindest bis sie der Meeresgott Poseidon in einem Tempel
vergewaltigte. Zu Medusas Unglück kam Pech dazu der Tempel war der Pallas
Athene geweiht, die vielleicht weise, aber prüde und auch sehr empfindlich war.
Die Kränkung überwog die Tugend, denn als Rache für die Schändung ihres Tempels
verwandelte sie die arme Medusa in ein hässliches Wesen mit Schlangenhaaren
und glühenden Augen, deren Blicke jeden Freier zu Stein erstarren lassen sollten.
Caravaggios Portrait ist nicht gerade schmeichelhaft.
Benvenuto Cellini-Perseus
Der Mythos und das liebe Geld
Caravaggio - Haupt der
Medusa 1595/96
Loggia dei Lanzi , Florenz
Zu Perseus: auch er war göttlicher Abstammung, Sohn von Danae, der
Tochter des Königs von Argos, eines gewissen Akrisios. Dieser sperrte
seine Tochter aus Angst vor einem männlichen Enkel weg, konnte aber
nicht verhindern, dass sie vom Tausendsassa Zeus im Goldregen
geschwängert wurde. Details darüber erzählen Kunstwerke aus der
Antike, oder solche von O. Gentileschi oder G. Klimt. Prompt kam Perseus
zur Welt.
Und jetzt zur Zusammenkunft der beiden: Akrisios war über die
unerwartete Geburt seines Enkels Perseus derart schockiert, dass er ihn
mit seiner Mutter in eine Kiste sperrte und ins Meer warf. Pech für ihn,
beide landeten auf den Kykladen, wo der dortige König umgehend
begann der schönen Danae nachzustellen. Dies missfiel ihrem Sohn
Perseus. Um seine Mutter zu schützen, bot er dem König ein Geschenk
dessen Wahl an, damit dieser von seiner Mutter ablasse. Und jetzt
kommt‘s. Das gekrönte Haupt forderte nichts weniger als das Haupt der
Medusa, denn in seiner königlichen Schläue dachte er, Perseus würde
den stand-off mit der grimmig blickenden Medusa sicher nicht
überleben… und so nahm das Unheil seinen Lauf.
O. Gentileschi Danae 1621
Klimt Danae 1907
450 v. Chr.
Zu Perseus' Moritat: Um an Medusas Haupt zu gelangen,
benötigte Perseus Hilfe. Von den eifrigen Nymphen erhielt
er eine Tarnkappe, Flügelschuhe und eine Zaubertasche,
vom flinken Hermes (Merkur) die Waffe der Titanen, das
Sichelschwert, und von der beleidigten Athene ein
spiegelndes Schild aus Bronze um dem versteinernden
Blick der Medusa standhalten zu können. So gewappnet
näherte sich Perseus der schlafenden Medusa und schnitt
ihr mir-nix-dir-nix den Kopf ab. Das klingt zwar
wagemutig, denn er musste sich auf ihr Abbild auf dem
spiegelnden Schild konzentrieren, um nicht versteinert zu
werden, aber echter Mut schaut anders aus. Genau
diesen dramatischen Moment fing Cellini in seiner
Skulptur ein, und so gingen alle drei, Perseus, Medusa und
Cellini, in die Kunstgeschichte ein.
Vorab noch einige Details: Tarnkappe, Flügelschuhe,
Zaubertasche, und Sichelschwert sind nicht unerwartet
(wer das Schild sucht, es liegt unter Medusas leblosen
Körper).
Weniger erwartet ist, dass sich Cellini auf der Statue zweifach verewigte: einmal
am Brustband der Zaubertasche : BENVENVTVS CELLINVS CIVIS FIORENT.
FACIEBAT MDLIII, und dann als Janus-gesichtiger Helm-, Haar- und Bartträger am
Hinterkopf des Perseus. So lautet zumindest der kunsthistorische Diskurs. Die
Ähnlichkeit mit Cellinis Kopf ist zwar nicht frappierend (siehe seine Statue auf der
Vecchio Brücke), es würde auch jener seines Auftraggebers Cosimo I. infrage
kommen (siehe Cosimo-Büste aus Cellinis Werkstatt), aber vorstellbar wäre es.
Wie auch immer, die Begleitumstände zur Entstehung des Perseus waren
genügend außergewöhnlich, um eine Doppelsignatur Cellinis zu rechtfertigen. Da
war zunächst der dramatische Bronzeguss der Hauptgruppe. Cellini musste im
letzten Moment 200 seiner Zinn-Teller einschmelzen, um die Legierung flüssig zu
halten, und entging damit nur mit Glück einer Verhaftung. Und dann gab‘s den
Honorar-Streit mit seinem Auftraggeber. Cosimo I. war bereit ihm lediglich 3500
fl. Gulden (anstatt der angeblich ausgemachten 10000) auszuhändigen. Nur zum
Vergleich: Cellinis Honorar entsprach dem Wert eines damaligen Palazzo, also
nicht viel weniger als das Honorar von zeitgenössischen Künstlern wie Damien
Hirst und Konsorten. Ob dieser Knausrigkeit empört holte sich der florentinische
Haudegen die Kleinbronzen des Sockels von der Herzogin Eleonora von Toledo
wieder zurück. Cellini kannte seinen Wert!
So kam es, dass die Perseus Statue Cellinis letzter öffentliche Auftrag blieb. Dass
seine Büste heute den Ponte Vecchio ziert, hat vermutlich mit seinem Beruf als
Goldschmied zu tun. Nachträgliche Ehre für diese edle Zunft. Cosimo I 1546 Cellini auf Ponte Vecchio