Peter Paul Rubens - Vénus au miroir (La toilette de Vénus)
Ein fragwürdiges Spiegelbild
Die Venus von Rubens gefällt. Ihr Gesicht ist hübsch, der Glanz
ihrer blonden Haare die sanft durch die Hand einer schwarzen
Bedienerin gleiten, ist gelungen, und ihr Hintern ist vermutlich der
bekannteste der Kunstgeschichte. Dieser soll aber nicht von
anderen interessanten Details des Gemäldes ablenken:
Da wäre einmal der oktogonale Spiegel, aus dem sie uns die
römische Göttin anblickt. Cupidon scheint ihn so zu halten, dass
man das Gesicht seiner Mutter von vorne im Spiegel reflektiert
sieht, während sie selbst im Profil dargestellt ist.
Ist das überhaupt möglich?
Nein. Da hat Rubens ein wenig geschummelt. Es gibt keine
Spiegelposition in der ein Gesicht, das man im Profil sieht, den
Maler und Betrachter durch den Spiegel von vorne ansehen kann
ohne dabei die Augen zu verdrehen. Das ist vom optischen
Strahlengang her unmöglich. Wer's nicht glaubt, versuche es
selbst mit Personen seiner Wahl und einem Spiegel in der Hand.
Venus