Peter Paul Rubens - Vénus au miroir (La toilette de Vénus)
Ein fragwürdiges Spiegelbild
Die Venus von Rubens gefällt. Ihr Gesicht ist hübsch, der Glanz
ihrer blonden Haare die sanft durch die Hand einer schwarzen
Bedienerin gleiten, ist gelungen, und ihr Hintern ist vermutlich der
bekannteste der Kunstgeschichte. Dieser soll aber nicht von
anderen interessanten Details des Gemäldes ablenken:
Da wäre einmal der oktogonale Spiegel, aus dem sie uns die
römische Göttin anblickt. Cupidon scheint ihn so zu halten, dass
man das Gesicht seiner Mutter von vorne im Spiegel reflektiert
sieht, während sie selbst im Profil dargestellt ist.
Ist das überhaupt möglich?
Nein. Da hat Rubens ein wenig geschummelt. Es gibt keine
Spiegelposition in der ein Gesicht, das man im Profil sieht, den
Maler und Betrachter durch den Spiegel von vorne ansehen kann
ohne dabei die Augen zu verdrehen. Das ist vom optischen
Strahlengang her unmöglich. Wer's nicht glaubt, versuche es
selbst mit Personen seiner Wahl und einem Spiegel in der Hand.
Venus
Den Trick hat Jahre später auch Velasquez angewandt, allerdings
weniger krass. Seine Venus (1651) hat zwar etwas sanfteren
Formen und entspricht damit eher dem heutigen Geschmack, die
Göttin schaut aber auch bei ihm so in den Spiegel dass man sie
zugleich im Profil und von vorne sieht. Künstlerische Freiheit zu
Gunsten des gewünschten Effekts. Das ist weiters nicht tragisch
und kommt auch in späteren Darstellungen von Spiegelbildern vor.
Ein anderes interessantes Detail ist die Perle am Ohr der Venus.
Die im Bild hat eine andere Farbe als jene im Spiegelbild. Venus
trägt also an ihren beiden Ohren Perlen verschiedener Farbe. Was
das wohl bedeutet?
Schliesslich soll hervorgehoben werden dass die Reize des Hinterns
der Rubens Venus auch Robert Rauschenberg inspiriert hat. Der
selbsternannte Erneuerer des abstrakten Expressionismus und
Busenfreund von Cy Twombly und Jasper Johns verarbeitete das
Rubens Bild 1964 zu einer Collage, die er "Persimmon" nannte.
Warum wohl? Wer suchet der findet. Die Frucht Persimmon
(=Kaki) erscheint im Bild an prominenter Stelle direkt unter dem
Hintern der Göttin, in ihrer suggestiven Form offenbar ihren
fehlenden Anus ersetzend. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.
Velasquez-Venus
Rauschenberg-Persimmon
Spiegel