Raffaels gewaltiges Fresko "Die Schule von Athen” (1510/11, Breite 7.7 m) wurde von Papst
Julius II zur Zierde der Papstgemächer in Auftrag gegeben und von Papst Leo X. weitergeführt.
Die Versammlung bildet die wichtigsten Denker des antiken Griechenland ab, darunter eine
Gruppe der maßgeblichen Wissenschaftler und Philosophen, fügt aber auch einige wenige aus
der Zeit der Renaissance hinzu: So ist Michelangelo als Heraklit am rechten Bildrand zu
erkennen, und Leonardo da Vinci erscheint als Platon. Ja, auch Raffael selbst hat sich inmitten
der aristotelischen Geistesgrößen verewigt (siehe punktierte Fläche im Bild). Er kannte seinen
Wert. Seine Fornarina musste warten.
Von wissenschaftlichem Interesse sind noch folgende Details:
Die Gruppe rechts diskutiert offensichtlich über das Planeten- bzw. Sonnensystem,
symbolisiert durch zwei Kugeln, die für die Himmelkörper stehen. Der griechische Astronom
und Mathematiker Ptolemäus steht mit dem Rücken zum Betrachter und hält eine der beiden
Kugeln in der Hand. Auf diese Weise veranschaulicht Raffael, dass das geozentrische
ptolemäische Weltbild ins Wanken geraten und durch das heliozentrische kopernikanische
Weltbild zu ersetzen sei. Das war zur Zeit Raffaels nicht selbstverständlich, denn Nikolaus
Kopernikus (geb. 1473) veröffentlichte sein heliozentrisches Weltbild erst 1543, und Galileo
Galilei (geb. 1564) war noch nicht geboren
Raffael - Die Schule von Athen
Der mittelalterliche Aberglauben wird durch die Welt der Ratio und
der wissenschaftlichen Erkenntnis abgelöst
Stanza della Segnatura
Quiz 2
In der Gruppe links im Bild erkennt man Hypatia, die berühmteste Mathematikerin der
Antike und letzte Leiterin der Gelehrtenschule von Alexandria. Als Vertreterin einer
nichtchristlichen philosophischen Tradition gehörte sie im überwiegend christlichen
Alexandria der bedrängten paganen (heidnischen) Minderheit an und starb für ihren
Glauben an die Freiheit der Forschung und die Unabhängigkeit der Wissenschaft. Sie
wurde auf Grund von religiösem Hass von einem aufgehetzter Mob in eine Kirche gebracht
und dort ermordet. Ihr Leichnam wurde zerstückelt. Grässlich.
Schließlich wäre da noch die Tetraktys auf der Tafel unter dem schreibenden Pythagoras.
Sie spielte in der pythagoreischen Kosmologie und Musiktheorie eine zentrale Rolle, da
man in ihr den Schlüssel zum Verständnis der Weltharmonie sah.
Die Gesamtheit der Zahlen 1, 2, 3 und 4, deren Summe 10 ergibt, als Grundzahl
des Dezimalsystems diente. In der Musik stellten die Pythagoreer fest, dass die
harmonischen Grundkonsonanzen Quarte,Quinte und Oktave, denen die
Zahlenverhältnisse 4:3 (= 8:6), 3:2 (= 9:6) und 2:1 (= 12:6) zugeordnet wurden, mit den vier
Zahlen der Tetraktys ausgedrückt werden können.
Kunst-Affine, denen eine Reise nach Rom zu weit erscheint, können in Mailand Raffaels
Zeichnung mit Kohle und Bleiweiß auf Karton in der Pinacoteca Ambrosiana bewundern.
Das Wert hat beachtliche Ausmaße von 285 × 804 cm.
Tetraktys