Deckengemälde der Universität Wien
Gustav Klimt wurde 1862 in eine Familie von Goldgraveuren hineingeboren und widmete
sein Leben der Kunst. Im Jahr 1894 - als Klimt durch seine Arbeiten in Gebäuden der
Ringstraße schon Bekanntheit erlangt hatte - wurden er und sein Mitarbeiter Franz
Matsch eingeladen, fünf Tafeln für die Decke des Großen Festsaals der Universität Wien
zu malen: ein zentrales Bild ("Der Triumph des Lichts über die Finsternis") umgeben von
vier allegorischen Gemälden für die vier Fakultäten. Matsch sollte die mittlere Tafel und
eine Tafel "Theologie" malen, während Klimt "Philosophie", "Medizin" und
"Jurisprudenz" malen sollte.
Klimts erstes Gemälde "Philosophie" wurde 1900 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert
und während es in Frankreich Anklang fand (es gewann die Goldmedaille auf der Pariser
Weltausstellung), löste es jedoch in Wien bei Professoren und Beamtenschaft heftige
negative Reaktionen aus. Der Grund war, dass Klimt mit dem klassizistischen Stil seiner
früheren Gemälde (der erwartet worden war) brach und in einem neuen Stil begann, in
dem Nacktheit und mehrdeutiger Symbolismus mit den rationalistischen Aussagen des
Klassizismus kontrastierte. Anstatt die kulturelle Stellung, die Wien damals in der Welt
einnahm, zu verherrlichen, zeigte das Gemälde eine passive, instinktive Interpretation
der Philosophie (Abbildung 1). Die gefühlsmäßigen Einsichten der Kunst der Moderne
stimmten mit neuartigen, von Freud entwickelten, wissenschaftlichen Ansichten über die
menschliche Psyche überein, der postulierte, dass der Großteil unseres geistigen Lebens
unbewusst ist und dass unser zivilisiertes Leben von instinktiven Anfällen der Erotik und
Aggression getrieben wird, die in Form von Worten und Gestalten ins Bewusstsein
auftauchen (Kandel, 2012). Gleichzeitig mit der Philosophie erschien Freuds
bahnbrechendes Buch "Die Traumdeutung" im Jahr 1900 (Freud, 1900).
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