Gustav Klimt –Medizin
1901
Fakultätsbild für die Aula Magna der
Universität Wien
Hygiena (gefärbtes Detail)
Klimt - Medizin
Klimt –Medizin
Austellung Unt. Belverede 2025
Klimts Fakultätsbild "Medizin" war nicht das, was
Ärzteschaft und Verwaltungsapparat erwartet
hatten. Anstatt die Stellung Wiens in der Welt der
Medizin zu rühmen, entlarvte Klimts Gemälde - in
einer instinktiven Sprache - die Grenzen unserer
Fähigkeit zu heilen und die Unvermeidlichkeit des
Todes. Das Bild, das die offensichtlich wahre
Natur der Medizin in Frage stellte, wurde
vehement angegriffen und führte für Klimt zu
dramatischen Konsequenzen.
Dazu:
"Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft - Gustav
Klimts Deckengemälde für die Universität Wien"
https://bit.ly/3G2QrIS
Die Menschenkette wird im Vordergrund dominiert von der Figur der Hygieia, Göttin der
Heilkraft, mit der Äskulapnatter und einer Schale mit Wasser aus dem Fluss Lethe, aus dem die
Schlange trinkt. Das Bild sollte den Kreislauf des Lebens zeigen, mit all seinem Werden und
Vergehen, dem Leiden und der Möglichkeit der Heilung, welche die Medizin ermöglichte. Das
war zumindest Klimts Absicht, wie sie auch im Vorwort des Katalogs zur zehnten Ausstellung
der Secession niedergeschrieben wurde.
Ärztliche Empörung
Allerdings hatte der Künstler die Rechnung ohne die Herren Professoren gemacht. Eine Welle
ärztlicher Empörung ergoss sich, auch öffentlich, über Klimts Gemälde, das von den Medizinern
der Uni Wien als provokant und zu pessimistisch empfunden wurde. Derselbe Klimt, der
wunderschöne Frauen in prachtvollen Gewändern gemalt hatte, wollte ausgerechnet für ein
universitäres Auftragswerk das Leben mit all seinen hässlichen Seiten darstellen? Eine heftige
öffentliche Debatte brach los, um die Freiheit der Kunst einerseits, aber auch um die Stellung
der Wissenschaft in der Gesellschaft andererseits.
Das Ergebnis: Die Fakultätsbilder fanden nie ihren Weg an die Decke des universitären Festsaals. Das lag
auch daran, dass die zwei anderen Werke Klimts, "Philosophie" und "Jurisprudenz", nicht minder
kontroversiell diskutiert wurden. Klimt kaufte die Gemälde 1905 mithilfe privater Gönner, unter
anderem dem Wiener Industriellen August Lederer, zurück. Nach seinem Tod wechselten sie in Lederers
Besitz, später gingen sie an die Österreichische Galerie. Nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-
Deutschland ließ Reichsstatthalter Baldur von Schirach die jüdische Familie Lederer enteignen und
"arisierte" unter anderem die anderen zwei Fakultätsbilder, Philosophie und Jurisprudenz. Alle drei
Klimt-Gemälde kamen während des Zweiten Weltkriegs ins niederösterreichische Schloss Immendorf,
wo sie 1945, am Tag der Kapitulation Nazi-Deutschlands, verbrannten. Abziehende SS-Truppen hatten
das Schloss in Brand gesteckt.
https://www.derstandard.at/story/3000000313125/klimt-und-die-
medizin-es-war-kompliziert
https://www.diepresse.com/19063582/prangt-jetzt-auf-der-
med-uni-fassade-spaete-genugtuung-fuer-klimts-medizin
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