Jawlensky - info
Jawlensky war schon früh finanziell unabhängig und konnte das Malen als Jugendlicher sorglos beginnen. Er stand zunächst noch unter dem Einfluss
gegenständlicher Themen seiner Lehrer Repin & Werefkin, und konnte reisen. Dabei lernte er Neues kennen, v.a. den deutschen Expressionismus (Kandinsky, Marc,
Macke, Nolde...) und die französischen Fauves (Matisse, Derain....). Seine Bilder aus dieser Zeit gefallen mir am besten wegen ihrer Farbigkeit.
Nachdem Jawlensky Kontakt mit den Mitgliedern des Blauen Reiters (1911-1914) geknüpft hatte und mit diesen ausstellte, wandte er sich ab 1918 mehr abstrakten
Themen zu, wie die maskenhafte Wiedergabe von menschlichen Gesichtern im Alter bezeugt.
In dieser Zeit (1920er) begannen seine gesundheitlichen Leiden, allen voran Anfälle von rheumatischer Arthritis die Lähmungen verursachte, sodass ihm bald beim
Malen geholfen werden musste (wie dem alternden Matisse bei seinen Scherenschnitten), bevor er von den NS als "Entarteter" verunglimpft wurde. Auch dieses Los
teilte Jawlensky mit vielen Kollegen seiner Zeit.
Von ihm nahm ich 6 Gemälde in meine Sammlung auf. Ich sah sie alle selbst, so wie auch alle der ca 100 anderen Künstler die in meiner Sammlung Erwähnung
finden. Gemälde zu erwähnen ohne dazu persönlich Stellung zu nehmen, finde ich uninteressant.
Zu den erwähnten 6 Gemälden von Jawlensky teile meine persönlichen Eindrücke wie folgt mit.
1- Junges Mdchen mit einem Blumenhut, 1910, im Bestand der Albertina in Wien. Die Farbgebung finde ich wunderbar, ganz so wie bei den Portraits der Fauves
(Matisse, Van Dongen).
2- Gebirgsdorf um 1910, im Bestand der Hamburger Kunsthalle, offenbar aus seiner Zeit in Bayern mit G. Münter (Kandinsky) die ganz ähnliche, im Farbkontrast stark
überzeichnete, Landschaftsbilder schuf. Ein großartiges Gemälde.
3- Sinnende Frau 1913, im Kunstmuseum Bern, ein Werk das vermutlich vom Schweizer Cuno Amiet "gerettet" wurde. Den Gesichtsausdruck mit den stechenden
Augen finde ich großartig. Wem könnte er zugeordnet werden?
4- Variation: Fest 1919 Ausflug ins Abstrakte, fiel mir bei einer Auktion (Lempetzt) auf und ist heute im Bestand des Norton Simon Museums, Los Angeles ist. Es zeigt
wie Jawlensky die Grenze des nicht-figürlichen Malens auslotete Es gibt keinen Horizont, keine Perspective, and Farben wurden nur als strukturelle anstatt Natur
wiederzugeben.
5- Tête de femme "Méduse", in Lyon 1923, ebenfalls ein sehr hübsch das ich mir aber nicht zuhause aufhängen würde. Wer möchte schon in Stein verwandelt
werden? ;-)
6- Grosse Meditation: Versunken/Einkehr 1937, aus der letzten Serie seines Lebens, die mir bei Auktionen auffielen denn sie öffnen das Fenster zu tieferen
Reflexionen über das menschliche Dasein. Die abstrakte Darstellung der Verquickung von Religion und Leiden finde ich sehr gelungen, würde mir die Bilder aber auch
nicht bei mir aufhängen, da zu deprimierend.
«Ich arbeite, bis die Dunkelheit kommt» meinte Jawlensky.
Bei mir ist es hoffentlich noch nicht so weit, trotz einiger Zipperleins, wie etwa den kurzen, heftigen Drehschwindelattacken (siehe oben), die oft mit Übelkeit
einhergehen aber sonst harmlos sind (Lagenschwindel).