Lyonel Feininger hatte Alfred Kubin einiges zu verdanken. Zum einen stellte Kubin
den Kontakt zu Franz Marc her –Feininger wurde zu einer Schau eingeladen, die
ihm den Durchbruch brachte. Zum anderen inspirierte ihn Kubins Roman „Die
andere Seite“ zur Serie „In der Stadt am Ende der Welt“. Die Künstler hielten über
den Krieg weg Kontakt, sie sandten einander 37 zum Teil seitenlange Briefe, Fotos
ihrer Lieben, auch Zeichnungen. Sie schrieben von Krisen, Erfahrungen („Schade,
dass reine Schwarz-Weisskunst in größeren Mengen genossen so schnell das Auge
ermüdet, weit schneller wie Bilder oder farbige Blätter, finden Sie nicht auch?“), von
Erfolgen und Rückschlägen. Im Katalog sind erstmals sämtliche Briefe abgedruckt, in
der Ausstellung haben sie zum Zeitpunkt der Pressekonferenz gefehlt. Zumindest
Zitate daraus sollen noch nachgereicht werden.
Den letzten Brief schrieb Feininger im März 1919. „Meine Laune kehrt wieder
zurück und ich fange an, etwas von der Welt draußen und von meinen
Nebenmenschen wissen zu wollen.“ Der früher Verzagte ist nun guten Mutes. Noch
im selben Jahr wird er zum Leiter der grafischen Sammlung des Staatlichen Bauhaus
nach Weimar berufen. Ob die beiden Künstler einander noch einmal begegnet sind,
ist ungewiss.
Feininger-Kubin