Albrecht Dürer - Vier nackte Frauen (Vier Hexen)
Jugendsünde eines Künstlers?
Der Kupferstich des 26-jährigen Dürer war ein echter Hingucker für die damaligen
Menschen. Sein Zentrum ziert ein Frauenhintern, der einem Rubens alle Ehre
machen würde. Nicht verwunderlich dass die Anzahl der Rückenakt-aficionados mit
jener der Interpretationsansätze wetteifert: Bordellszene, Hexenversammlung,
Liebeszauber, Paris-Urteil, Venus und die Grazien, Proserpina und die Erynnien,
Discordia und die drei Parzen, die Horen, die Jahreszeiten, die Lebensalter, die
Temperamente, Allegorie der Eitelkeit, der Vergänglichkeit oder gar der Mäßigkeit?
Eigentlich egal, denn die wichtigere Frage lautet doch: wie kam Dürer zu diesem
Motiv? Wurde er bei Aufenthalten im Nürnberger Badehaus dazu angeregt,
gewissermaßen als Folge einer Jugendsünde, wie viele andere darstellende Künstler
nach ihm, allen voran Picasso? Das Entstehungsdatum würde stimmen, auch wenn
aus der Inschrift der Kugel über den 3 Grazien nicht klar hervorgeht ob 1491 oder
1497. Richtig ist 1497. Dürer war also 26 Jahre alt.
Und was bedeuten die rätselhaften Buchstaben“.O.G.H.” unter der Jahreszahl? Etwa
das Vulgata-Zitat aus der Apostelgeschichte "omne genus hominem" (Und hat aus
einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht damit sie auf dem ganzen
Erdboden wohnen17,26; LUT)“), oder das Tacitus Zitat über die Christen "odium
generis humani" („Abscheu des Menschengeschlechts Ann.xv. 44)?
Hexe
Zoom
Geheimnisvoll ist auch der Totenschädel mit den Knochen zu
Füßen der Frauen, und die Teufelsfratze über dem Feuer das
aus dem Türspalt links aufflammt. Der Teufel mit dem Stab
als Vogelfänger (= Seelenfänger?) und der Totenkopf als
Sinnbild der Vergänglichkeit ?
Auch nach Dürer waren Hexen ein beliebtes Kunstthema. In
seinem „Hexensabbat“ etwa gruppiert Francisco Goya ein
Duzend davon um einen mannshohen Ziegenbock, der den
Teufel symbolisiert. Der Hexensabbat gehört mit Hexenflug,
Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft und Schadenzauber zu den
fünf Hauptelementen der Hexenlehre. Diese Elemente
bildeten im 16. und 17. Jahrhundert auch die häufigsten
Anklagepunkte in den meist von weltlichen Gerichten
durchgeführten Hexenprozessen. Oft endeten diese tödlich
für die Angeklagten. Alles in allem wurden Hexen in keinem
vorteilhafteren Licht dargestellt.
Erst zur Zeit des Luis Ricardo Falero hat sich der Geschmack
bei der Darstellung von Hexen geändert;-) KY 2019
Goya um 1797 Falero 1880