Der Anlass zur Entstehung des Gemäldes ist rasch erzählt. Im (dritten)
italienischen Unabhängigkeitskrieg versenkte der spätere österr. Vize-
Admiral Wilhelm von Tegetthoff 1866 mit seinem Panzerschiff SMS
Erzherzog Ferdinand Max das ital. Panzerschiff Re d´Italia bei Lissa
(heute Vis Kroatien). Der Sieg kam insofern zu spät als Österreich
bereits mehr als zwei Wochen vorher in der Schlacht bei Königgrätz
gegen das mit Italien verbündete Preußen unterlag. Das Bravourstück
Tegetthoffs gegen die numerisch überlegenen Italiener wurde in
verschiedenen Denkmälern geehrt, darunter eine Erzherzog Ferdinand
Maximilian gewidmete Siegessäule mit Schiffsschnäbeln im damaligen
Kriegshafen Pula (heute in Venedig), und eine Tegetthoff gewidmete
Säule am Praterstern in Wien. Letztere posthum 1886, d.h. 20 Jahre
nach Lissa und 10 Jahre nach Errichtung des Denkmals in Pula für
Maximilian (siehe Coup de coeur)
Tegetthoff
SMS Erzherzog Ferdinand Max
Columna Rostrata
Venedig Giardini
Pubblici für Maximilian
(Pula 1976)
Tegetthoffdenkma
lam Praterstern,
Wien, 1886
Anton Romako - Tegetthoff in der Seeschlacht
bei Lissa (1866)
mit den Händen in der Tasche zum Sieg (franz.: avec les doigts dans le nez)
Krieg
Erst 12 Jahre nach der Schlacht bei Lissa begann Anton Romako die Szene des
Rammstoßes zu malen, und zwar in 2 Versionen verschiedenen Formats: eine größere
Version I mit 86 x 47 cm um 1878-1880, und eine kleinere Version II mit 24 x 18 cm
um 1880-1882. Beide mit Öl auf Holz. Die Gemälde zeigen im wesentlichen Tegetthoff
wie er sich breitbeinig in High-Noon Stellung vor dem Rammstoß mit Händen in der
Tasche nirgends anhält, während sich seine Gehilfen ängstlich am Steuerrad
anklammern, und Granat-Nebelschwaden das Schiff umgeben.
Die spannungsgeladenen Bilder kamen in Wien zunächst nicht gut an. Sie waren für
den damaligen Geschmack zu progressiv, O.Kokoschka hingegen äußerte sich positiv.
Kaiser Franz Josef I. kaufte jedenfalls Version I, vermutlich als Trostpflaster für
Königgrätz. Sie wurde unter ungeklärten Umständen nach WW1 verkauft (etwa von
Zita?), und nach WW2 von Österreich zurückgekauft. Version II wurde nach 1921 aus
dem kaiserlichen Jagdschloss Neuberg/Steiermark als Fideibonusbesitz vom Staat
übernommen. Beide Versionen sind heute im Belvedere, Wien.
Seitdem ist es in der Adria ruhiger geworden. Eine weniger kecke Darstellung des
rammenden Vize-Admirals wäre dem Autor dieser Zeiléen vorstellbar;-)
KY
Jagdschloss Neuberg. Belvedere