Venedig
2018
Venedig ist ein dankbares Pflaster für Begegnungen mit geschichtlich belasteten
Kunstwerken. Eines davon steht etwas verborgen am Eingang der Giardini Pubblici.
Es ist die Columna Rostrata (Rostrenäule), angefertigt 1876 vom österreichischen
Architektem Heinrich von Ferstel. Eine mit Rammspornen vom Bug feindlicher
Schiffe geschmückte Ehrensäule, ähnlich jener am Praterstern in Wien.
Naja.
Interessanter ist es zu eruieren wie es dazu kam, dass eine Ehrensäule die
ursprünglich in Pula (Kroatien) zum Ruhm der siegreichen österr. Flotte errichtet
wurde, heute auf italienischem Boden steht und die italienischen Flotte preist.
Ganz einfach. Das Ungetüm wurde nach dem ersten Weltkrieg 1919 von den
siegreichen Italienern von Pula nach Venedig geschafft und dort zum Ruhm der
italienischen Flotte umgewidmet. Ein Paradebeispiel vom Schicksaal einer
Kriegbeute.
Sieger haben immer recht.
Unter Kriegsbeute fallen auch mittelmäßige Kunstwerke. Sie gewinnen manchmal
durch ihre besondere Symbolik und verdienen ihren Platz in der Öffentlichkeit.