Dubrovnik
2017
Infolge seiner exponierten Lage hat Dubrovnik (Ragusa) eine ausgesprochen turbulente
Geschichte. Noch turbulenter scheint die Geschichte von Michelangelos Pietà di Ragusa zu sein.
Das Gemälde tauchte 2009 völlig überraschend in den USA auf. Dort lagerte es weitgehend
unbeachtet 27 Jahre lang hinter einem Sofa im US-Bundesstaat New York. Als echter
Michelangelo wäre es bis zu 300 Mio $ wert.
Die Provenienz scheint inzwischen geklärt zu sein, nicht aber die Authentizität. Dazu gab es 2016
die erste wissenschaftliche Untersuchung. Eine dendrochronologische Analyse des
Maluntergrundes (Fichte) ergab ein Entstehungsjahr von nicht später als 1525, und eine
Farbanalyse zeigte die Verwendung von Tempera Grasso. Diese Ergebnisse sind zwar konsistent
mit einer Zuschreibung an Michelangelo (der bekanntlich Ölfarben hasste), beweisen sie aber
nicht.
Seither gibt es keine Neuigkeit. Das Gemälde ist derzeit vermutlich in einem Banksafe.
Interessanterweise figuriert als Zwischenbesitzer auch Kardinal Reginald Pole (1500-1558),
Erzbischof von Canterbury. Dieser spielte womöglich eine Rolle im Gemälde «Roter Kardinal» aus
dem Nachlass «unserer» Petzl-Brüder. Bei unserem Besuch in Dubrovnik hatten wir noch nicht das
Wissen, um dieser Spur nachzugehen zu können. Das hat sich mittlerweile geändert.
So wie Michelangelos Pietà tauchen immer wieder Gemälde berühmter Künstler auf, die
hunderte Millionen € wert sein könnten. Ihre Authentizität muss jedoch den zunehmend
verfeinerten wissenschaftlichen Methoden standhalten. Fälscher haben es immer schwerer.
Roter Kardinal
Geschiche