Jacob Jordaens- Fest des Bohnenkönigs
Nichts gleicht einem Verrückten mehr als ein Betrunkener
Ja, feiern konnten sie die Flamen, vor allem am 6. Januar, dem Tag der Heiligen
Drei Könige. Da sitzt er nun, der Bohnenkönig, und hat sich als Finderlohn für die
im Kuchen eingebackene Bohne die schönste der anwesenden Frauen zur
Königin genommen, und macht die Tafelrunde zu seinem Hofstaat. In dem
Augenblick, wo die Karnevalskrone aus Pappkarton seinem Haupt sitzt und er zur
Karaffe mit Trinkglas greift, grölt die Gesellschaft „Der König trinkt!“.
Viele Details, teils satirisch, teils ironisch oder nachdenklich, schmücken die
ausgelassene Szene. Zunächst die an Schultern und am Hut befestigten
Losstreifen mit den Berufs- und Titelbezeichnungen, welche de zu bekleidenden
Hofämter kennzeichnen, wie «Hofmester» und «Senger», von denen aber einige
im Trubel einfach zu Boden gefallen sind (Bildmitte, vorne). Dann der
Vorschneider“ der sich gerade einen Fisch „hineinzieht, die „Königinwie sie
jung und prall eine Kette aus Würsten und Eiern (Fruchtbarkeit!) trägt, der
"Mediziner" der speibt, das Kind das säuft (vorne links) und vom Hund gierig
beneidet wird, die Frau die sich die Brust entblösst (rechts), und das vom Alkohol
gerötete Gesicht das sich im schräg hängenden Spiegel der linken Wand spiegelt.
Schliesslich prangt über dem Ganzen ein schwarzes
Schild mit dem lateinischen Sinnspruch:
NIL.SIMILIVS.INSANO.QVAM.EBRIVS -Nichts gleicht
einem Verrückten mehr als ein Betrunkener. Wie
wahr.
Man täusche sich aber nicht. In seinem fetten
flämischen Schinken stellt Jordaens nicht nur eine
Freß- und Sauforgie dar, sondern mahnt auch
unterschwellig vor Ausschweifungen und
Übertreibungen, wie man am nachdenklichen
Gesichtsausdruck der Königin erraten kann.
Vom Gemälde gibt es mehrere Versionen, darunter
in Wien, Paris, Brüssel, St. Petersburg (Eremitage)
und Kassel. Das Motif wurde auch von anderen
Künstler aufgegriffen, etwa von Jan Steen und P.
Brueghel d. Jü.. Das Bohnenfest mit dem
trinkenden König ist somit eines der beliebtesten
Genremotive des 17. Jahrhunderts überhaupt.
Ein sympatischer Aspekt dieser Zeit.
P. Brueghel d. JüSteen