Neapel
2022
Auf unserem Rückweg aus Ischia hielten wir in Neapel*) an. Dort begegneten wir im Museo di
Capodimonte Tizians Papst Paul III. und seine Nepoten aus dem Jahr 1563. Bei den Nepoten (ital. Enkel)
handelte es sich um seine eigenen Enkeln, den Kardinal Alessandro Farnese (links) und Herzog Ottavio
Farnese. Gleich im Doppelpack mit Tizians früherem (1543) Portrait von Paul III., von dem eine spätere
Version auch im Bestand des KHM Wien ist. Kaum Papst, hatte Paul III. Ottavio für eine familiäre Allianz
mit Spanien eingesetzt, indem er ihn als 14-Jährigen mit einer Tochter Karls V (HRR) verheiratete. Bereits
als Kardinal hatte er eine Konkubine und mit ihr vier Kinder. Von Martin Luther wurde er deshalb als
„epikureische Sau“ beschimpft.
Die Unterwürfigkeit des Herzogs Ottavio Farnese gegenüber seinem 77-jährigen Großvater mag abstoßend
wirken, ist aber eine vom Zeremoniell geforderte Ehrung, die mit drei Verbeugungen beginnt und mit
dem Fußkuss endet. Scheinbar unbeteiligt steht Kardinal Alessandro Farnese zur Rechten des Papstes.
Das Gemälde blieb unvollendet, siehe u.a. die fehlende rechte Hand des Papstes, weil Tizian angeblich die
Charaktere zu lebensnah darstellte. Er bekam auch kein Honorar dafür. Möglicherweise war für den
Abbruch aber ein Wechsel der Allianzen verantwortlich. Als das Bild begonnen wurde, war Spanien der
Partner des Papstes, als es abgebrochen wurde, war es Frankreich. Nun war Tizians Werk politisch nicht
mehr opportun. Also verschwand es ungerahmt in den Kellern der Familie Farnese. Erst mehr als 100 Jahre
später wurde es aufgehängt.
Schlagendes Beispiel wie ein Kunstwerk zur Geisel der Politik verkommt.
*) Viaggio di Dante (Marco)
Tizian