Kaum Papst, hatte Paul III. Ottavio für eine familiäre Allianz mit Spanien eingesetzt, indem er
ihn als 14-Jährigen mit einer Tochter Karls V. verheiratete. Bereits als Kardinal hatte der Papst
eine Konkubine und mit ihr vier Kinder gezeugt. Von Martin Luther wurde er deshalb als
epikureische Sau“ beschimpft.
Die Unterwürfigkeit des Herzogs Ottavio Farnese gegenüber seinem 77-jährigen Großvater
mag abstoßend wirken, ist aber eine vom Zeremoniell geforderte Ehrung, die mit drei
Verbeugungen beginnt und mit dem Fußkuss endet. Scheinbar unbeteiligt steht Kardinal
Alessandro Farnese zur Rechten des Papstes.
Das Gemälde blieb unvollendet, siehe u.a. die fehlende rechte Hand des Papstes, weil Tizian
angeblich die Charaktere zu lebensnah darstellte. Er bekam auch kein Honorar dafür.
Möglicherweise war für den Abbruch aber ein Wechsel der Allianzen verantwortlich. Als das
Bild begonnen wurde, war Spanien der Partner des Papstes, als es abgebrochen wurde, war
es Frankreich. Nun war Tizians Werk politisch nicht mehr opportun. Also verschwand das Bild
ungerahmt in den Kellern der Familie Farnese. Erst mehr als 100 Jahre später wurde es an
einer Wand aufgehängt.
Papst Paul III. und seine Nepoten-info