Edouard Manet - Olympia
Kunstkritik ist nicht jedem gegeben
Das Gemälde entstand im gleichen Jahr wie Manets Frühstück im
Grünen (1863), wurde aber im Gegensatz zu letzterem nicht im
Salon des réfusés ausgestellt, sondern erst 2 Jahre später im
Salon von Paris wo es die Jury passierte. Beide Gemälde hatten
gemeinsam dass sie handfeste Skandale verursachten.
Die Olympia zeigt eine nackte Frau, die auf einem mit Kissen
gepolsterten Bett liegt. Vorbild war Manets bevorzugtes Modell
der 1860er Jahre, die Französin Victorine Meurent. Eine Hand
verdeckt ihre Scham, doch ungleich der verklärten,
mystifizierenden Nackten anderer Maler blickt sie den Betrachter
herausfordernd und selbstbewusst an. Für die Pariser
Bourgeoisie des zweiten Empire war das zu viel. Aehnlich wie
beim Frühstück im Grünen war es nicht die Nacktheit an und für
sich, sondern der Fakt, dass hier eine entblößte Frau ausserhalb
eines mythologischen oder allegorischen Rahmens dargestellt
wurde. Wäre es eine Venus gewesen, die derart präsentiert
worden wäre, hätte niemand aufgemuckt.
Manet Frühstück im Grünen
Genau dies war zwei Jahre früher eingetreten als
Alexandre Cabanel 1863 mit seinem motivisch ähnlichen
Akt, der Geburt der Venus, die er mit mythologischem
Korsett zeigte, während des Salons einen großen Erfolg
gefeiert. Der damals selbst ernannte Kaiser Napoleon III.
erwarb das Bild, während er und seine Frau sich über
Manets Frühstück echauffierten. Cabanel blieb während
der nächsten beiden Jahrzehnte einer der
bedeutendsten akademischen Künstler Frankreichs.
Manet hingegen transformierte die mythologische Figur
der Olympia zu einer gewöhnlichen Prostituierten, die
gleich noch einen Blumenstrauß von einem Verehrer
empfängt. Der Skandal war derart groß, dass das
Gemälde vor dem Publikum geschützt werden musste. Er
habe nur gemalt, was er gesehen habe, rechtfertigte sich
Manet gegenüber Kritikern.
Wiederum war es Emile Zola der ihn als einer der
wenigen verteidigte. Als Dank dafür porträtierte ihn
Manet 1868. Auf dem Bild ist oberhalb Zolas Schreibtisch
die Olympia als Bild im Bild deutlich erkennbar.
Cabanel Venus
Manet Emile Zola
Manet behielt zeitlebens das Werk für sich. Er bewertete es
1872 mit 20.000 frs. und somit höher als alle anderen seiner
Gemälde. Als es seine Frau Suzanne nach seinem Tod 1883 in
Geldnöten für 20 000 frs an einen Amerikaner verkaufen
wollte, startete Claude Monet eine Sammelaktion, um das Bild
für Frankreich zu retten. Der geforderte Preis war relativ
bescheiden wenn man daran denkt, dass ein Jean-François
Millet damals an die 800 000 Fr. für ein Gemälde einkassierte.
Das Gemälde Manets wurde im Anschluss daran von seiner
Frau 1888 dem Staat geschenkt.
Während Manet für seine Olympia nur relativ wenig Vorbilder
hatte, etwa Gorgione (1510) oder Tizian (1538), gibt die Anzahl
seiner Nachahmer eine Idee von der Wertschätzung die ihm
andere Künstler entgegenbrachten, wie Goya, Cézanne,
Gauguin, Vallotton, Picasso (Parodie), Magritte, Dubuffet,
Souza, Richter….
Wiederum zeigte sich dass Kunstkritik ein Geschäft ist, das
nicht jeder ausüben sollte.
Olympia