Das Unglück von Nikosia 1967 (Globe Air) und seine Folgen zwingen Staechelin (Hauptaktionär) rasch zum Verkauf mehrerer Bilder. Doch als der
Kunstsammler «Les deux frères» 1905 und «Arlequin assis» 1923, zwei Gemälde von Pablo Picasso, veräussern will, entwickelt sich die Sache in der
kunstbewussten Stadt zum Politikum: Basel ist einmütig der Ansicht, dass die Werke dem Kunstmuseum erhalten bleiben müssen. Die Regierung handelt
und spricht 6 Mio Franken für den Ankauf der Picassos. Der Grosse Rat winkt den Kredit mit nur vier Gegenstimmen durch. Referendum dagegen scheitert
(Abstimmung 1967). Tags darauf zeigt sich Picasso in seiner Villa bei Cannes (Mougins) im Gespräch mit Kunstmuseums-Direktor Meyer tief beeindruckt
von den Baslern, die sich per Volksabstimmung für seine Malerei ausgesprochen haben. Er beschenkt das Kunstmuseum spontan mit einem weiteren
Gemälde, welches Meyer aus zwei Werken auswählen darf. Meyer zögert. Er ist zwischen den beiden Bildern hin- und hergerissen, bis schliesslich
Jacqueline das Basler Picasso-Wunder mit einem einzigen Satz zur Vollendung bringt. «Mais pourquoi pas tous les deux», wendet sie in Richtung ihres
Mannes ein womit der Entscheid gefallen und das Museum um zwei Picassos reicher ist. Schliesslich gab Picasso noch zwei weitere Bilder dazu. So kehrte
Franz Meyer mit drei Gemälden und einer Skizze zu einem der berühmtesten Picasso-Werke - «Les Demoiselles d’Avignon» - reich befrachtet zurück nach
Basel. Die Bilder schenkte Picasso ausdrücklich der «Jeunesse de Bâle», die für seine Kunst auf die Strasse gegangen war.
Jaqueline erzählte Franz Meyer, dass «Homme, femme et enfant» für sie und Picasso von ganz besonderer Bedeutung sei. Denn die Frau im Bild (Fernande
Olivier, Picassos Muse von 19041912) erinnere frappant an Jacqueline. Und darum sei dieses Werk von 1906 ein Bild «de lui et de moi avec l’enfant qu’on
n’a pas eu!». Und als Franz Meyer angesichts der Werke aus der aktuellen Produktion sagte: «Pour le moment je ne sais pas lequel des deux!», antwortete
sie: «Mais pourqoui pas tous les deux!» Und so schenkte Picasso die «Vénus et l’amour» und «Le couple».
Nicht genug: Maja Sacher, die Basler Kunstmäzenin und Roche-Aktionärin, rundete die Bescherung ab und schenkte dem Museum ein kubistisches
Meisterwerk. Die Sammlung des Kunstmuseums wurde also im Dezember 1967 um sieben Meisterwerke Picassos erweitert.
http://www.nzz.ch/schweiz/schweizer-geschichte/blick-zurueck-wie-die-basler-picassos-herz-erobern-ld.12794
Pablo Picasso stellt zwei Gemälde nebeneinander
Vénus et l’amour (li) und Le couple (re),
kurz darauf wird er sie der Stadt Basel schenken.
Wie keine andere Episode steht die Geschichte für
das besondere Zusammenspiel zwischen Mäzenen,
nstlern, Stadtbevölkerung und Politik, das Basel
zur unvergleichlichen Kunststadt macht.
Das Geschenk Picassos an Basel 1967
Basel Kunstmuseum
Pablo Picasso mit seiner Frau Jacqueline
und in der Mitte Franz Meyer, Direktor
des Basler Kunstmuseums.
Picasso vor dem Gemälde «Le couple», eines der beiden
Bilder, das er dem Basler Kunstmuseum schenkte.
Der Museumsdirektor Franz Meyer (r) erklärt dem Basler
Regierungsrat Lukas Burckhardt die Gemälde von Picasso. Venus et l’amour 195 x 130 cm, 1967 et Le couple 1967 Kunstmuseum Basel
Picasso - Venus et l’amour et Le couple 1967 Kunstmuseum Basel
2014: Zwanzig Jahre lang hingen zwei berühmte Bilder
Pablo Picassos im Kunstmuseum Basel. Nun soll das
Volk entscheiden, ob sie bleiben.
Mitte Dezemberwerden die Baseler Bürger per Plebiszit
bestimmen, ob ihnen die Picasso-Gemälde "Die zwei
Brüder" und "Sitzender Harlekin" sechs Millionen
Franken wert sind.
Diese Summe hatte der Große Rat des Stadt-Kantons
am 12. Oktober bewilligt, um die bislang dem Museum
nur geliehenen Bilder anzukaufen. Doch der Baseler
Großgaragenbesitzer Alfred Lauper, 61, mißbilligte die
Ausgabe.
Am Donnerstag letzter Woche konnte Lauper der
Regierung rund 2000 Bürger-Unterschriften zu einem
Referendum gegen den Rats-Beschluß abliefern -- schon
die Hälfte tte ausgereicht, um nach eidgenössischem
Recht eine Volksabstimmung zu erzwingen. Lauper
möchte die Steuermillionen lieber in Wohnungen und
Krankenhäusern anlegen lassen. "Wir brauchen", ·sagt
er, "das Geld für wichtigere Dinge als diese Helgen."
Die Helgen (baseldeutsch für Bilder) sind Teil einer
Privatsammlung neuerer Kunst, die vorerst noch zu den
bedeutendsten in Europa zählt: der Impressionisten-
und Nachimpressionistenkollektion, die der Baseler
Chemie-Industrielle Rudolf Staechelin (1881 bis 1946)
seit 1917 erworben hatte. Damals kaufte Staechelin
Picassos "Zwei Brüder" von 1905; den 1923 gemalten
"Harlekin" schaffte er dann 1924 an.
2015 Verkauf von Gauguins Nafea (300 Mio)
(cf BaselKunstmuseum.doc)
Fall Basel Kunstmuseum - Staechelin
Sitzender Harlekin, Pablo Picasso,
1923, Kunstmuseum Basel
967 ging als Picasso-Jahr in die Basler
Geschichte ein. Was die Basler
Bevölkerung und ihre Leidenschaft für
Kunst und Kultur ausmacht, zeigte sich
damals, als die beiden Werke «Arlequin
assis» (Sitzender Harlekin) und «Les
deux frères» (Die beiden Brüder) zum
Verkauf standen. Private Bemühungen
und die Unterstützung der öffentlichen
Hand mitsamt eines
Regierungsbeschlusses und einer
Volksabstimmung ermöglichten den
Kauf der beiden Gemälde. Basels
Handeln bewegte Pablo Picasso so sehr,
dass er der Stadt gleich vier weitere
Werke schenkte.
Harlekin