Inspiriert vom steinzeitlichen Vorbild, aber nicht weniger
publikumswirksam, präsentierte Jeff Koons davor (März 2016) seine
aufgeblasene Hommage an die Venus von Willendorf aus poliertem
Stahl. Am Eingang des NHM. Ohne Zwischenfall. Glück gehabt.
Josef Bayer wurde übrigens in den 1920er Jahren von Professoren
der Universität Wien schwerstens diskriminiert. Nach einer
Hexenjagd der dortigen Nazi-Clique mit dem Ziel ihn durch einen der
"ihren» zu ersetzen, wurde ihm die Lehrbefugnis lebenslang
entzogen. Nach einem geharnischten Protest wurde der Entzug 1927
zwar auf "nur" 3 Jahre reduziert, Bayer hatte davon allerdings nicht
mehr viel: Er starb im Juli 1931 mit gerade einmal 49 Jahren. Selbst
nach Bayers Tod ging die Rache der Professoren weiter: Im Nachruf
der Uni wurde unter anderem der Satz ersatzlos gestrichen, dass
Bayer Mitentdecker der Venus von Willendorf war.
Mit der Bezeichnung "Hakenkreuzprofessoren" für seine damaligen
Widersacher war Bayer durchaus prophetisch: Othenio Abel etwa
wurde 1934 wegen seiner NS-Sympathien frühpensioniert; das SS-
Mitglied Viktor Christian (Grossvater von Mechthild Yvon) stieg nach
dem "Anschluss" unter anderem zum Dekan der Philosophischen
Fakultät auf. Und Oswald Menghin, der vermutlich für die
nachträgliche Entehrung in Bayers Nachruf sorgte, wurde kurzzeitig
NS-Unterrichtsminister.
Jeff Koons Balloon Venus
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