"Dynamik!" heißt die Ausstellung, die den Wiener Kinetismus in einen Kontext mit Kubismus und Futurismus stellt. Zu sehen ist sie
vom vom 10. Februar bis 29. Mai.
http://diepresse.com/home/kultur/kunst/633013/Dynamik_KubismusFuturismusKinetismus?gal=633013&index=1&direct=&_vl_bac
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In ihren kubistisch überlagerten Formen erweckten Karlinksy und Klien befahrene Brücken und U-Bahnen zum Leben, lässt Wolfgang
Leopold Rochowanski, der selbst Tänzer war, Musik in Grafiken erstehen und fertigt Otto Erich Wagner ein ganzes Musikfries.
Erika Giovanna Klien: Tauchender Vogel, 1939, Belvedere, Wien/Schenkung Udo und Lore Saldow
Das Untere Belvedere zeigt "Klimt, Kupka, Picasso und Andere" und erklärt die Formkunst zur Kunst-Konstante Europas.
Die gegenstandslose Formkunst als Triumph der Vernunft ist ein Resultat der Formpädagogik im Zeichenunterricht der k.u.k.
Monarchie. Sie kommt nicht aus Wassily Kandinskys München, denn sein Einstieg war metaphysisch von der Theosophie angeregt.
Die Kunstgeschichte muss mit der Schau "Klimt, Kupka, Picasso und andere - Formkunst" von Kurator Alexander Klee im Unteren
Belvedere wohl umgeschrieben werden. Denn was die Beethoven-Ausstellung der Wiener Secession 1902 zeigte, war nicht nur
geometrisches Ornament, sondern tatsächlich der Aufbruch in die Gegenstandslosigkeit.
So beginnt die Schau mit dem rekonstruierten Relief Josef Hoffmanns und mit dem ähnlichen Ausgangspunkt Frantiek Kupkas in Prag
aus dem formal strukturierten Zeichenunterricht der Donaumonarchie. Nun sind die Zweifel ausgeräumt, welche Stadt und welche
Künstlergruppe nach Impressionismus und Kubismus zur totalen Gegenstandslosigkeit überwechselte: Wien, Prag und Paris waren es,
später auch Budapest.
In Wien und Prag war die Formkunst Schulalltag. Denn wie bei den Secessionskünstlern Gustav Klimt und Hoffmann war auch bei
Kupka das geometrische Flächenornament bestimmend.
Diese formalen Akzente hingen für die Künstler als "Tongestalten" eng mit der sinfonischen Musik Beethovens zusammen. Klee hat
bereits in mehreren Publikationen zu Werken Adolf Hölzels, einem weiteren Protagonisten der Wiener und Münchner Secession,
später in Stuttgart lehrend, auf das pädagogische Formkonzept des Zeichenunterrichts nach Johann Friedrich Herbart (1779-1841) im
großen Kulturraum Donaumonarchie hingewiesen.
Mit der Ausstellung rücken die tschechischen und französischen Kubisten enger zusammen.
Das konstruktive Supraportenrelief Hoffmanns unter dem Klimtfries, 1902 am Abgang in den Hauptraum zur Beethovenstatue Max
Klingers situiert, demonstriert den engen Zusammenhang von Mathematik, Musik und bildender Kunst. Der Musikpädagoge Eduard
Hanslick nannte das "tönend bewegte Formen". Klee zeigt den in Wien als "Quadratl-Hoffmann" kritisierten Architekten und Designer
vom Modell für das Sanatorium Purkersdorf über Möbel, Geschirr bis zu seinen rein formalen Grafiken.
Ein neuer Blick, der Kunst, Wissenschaft und Pädagogik enger zusammenführt.
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/kunst/805436_Die-Mathematik-des-Formschoenen.html