Welch Unterschied zum Portrait von Jean-Étienne Liotard in Wien*), das
die 7-jährige Tochter Maria Theresias zeigt. Sie sollte ab 1774 Königin von
Frankreich und Navarra werden, als eine der schillerndsten Figuren
während der Französischen Revolution gelten, und neun Monate nach
ihrem Gemahl dessen Schicksal auf dem Schafott teilen. Der oft
kolportierte Ausspruch „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Brioche
[Gebäck] essen“ stammt nachweislich nicht von ihr (cf Rousseau).
Gesichert ist hingegen das Urteil von Stefan Zweig, der sie für einen
“mittleren Charakter” hielt.
Das Zweite Portrait von Vigée-Lebrun zeigt Marie Antoinette als Mutter.
Man erkennt im rechten oberen Eck des Gemäldes die Büste ihres Manns,
Louis XVI., mit dem sie 1770 mit nur 14 Jahren per procurationem
vermählt wurde, ebenfalls mit Charakternase.
Als Dank für ihr geschätztes Gemälde wurde Vigée-Lebrun 1783, also
noch vor J.-L. David, auf Druck von Marie-Antoinette in die Académie
Royale de Peinture et de Sculpture aufgenommen. Sie war die erste Frau,
der diese Ehre zuteil wurde.
*) jetzt im Bestand des MAH in Genf
Liotard 1762
1785 Versailles