Vermeer (Fälschung) Christus und die Ehebrecherin
Ein Fälscher haut Göring ums Ohr und muss beweisen dass er der echte Fälscher war
Die Geschichte entbehrt nicht eines gewissen Humors, aber vorweg:
das angeblich von Jan Vermeer stammende Bild wurde von Han van
Meegeren (1889-1947) gemalt. Ein equivalentes Vermeer Bild ist
nicht bekannt. Der Fälscher van Meegeren war fast so gut wie
Vermeer selbst, zugleich dreist und kaltblütig. Kein anderer hat den
weltberühmten Barockmeister aus Delft besser gefälscht als er.
Aufgeflogen ist der Schwindel nur, weil er am Ende gar den
Deutschen Reichsmarschall Hermann Göring übers Ohr haute. Er
verkaufte dem begierigen Kunstsammler mitten im Krieg (1942) den
"Vermeer", angeblich zu einem Preis für 1,65 Millionen Gulden (oder
im Austauschweg mit weniger geschätzten Werken?) und dieser
bezahlte - ebenfalls angeblich - mit gefälschten Pfundnoten. Man
war als Gauner unter sich. So lautet zumindest die Legende.
Als sich der Krieg zum Schlechten wandte, wurde das Gemälde mit
vielen anderen von Göring in Sicherheit gebracht, nach Kriegsende
jedoch von US-Soldaten bei Berchtesgaden aufgespürt und nach
Holland zurückgestellt.
1945
Aufgeflogen ist der Schwindel weil Nationaler Kunstbesitz nicht an
eine feindliche Macht verschachert werden durfte. Auf
Kollaboration stand Tod oder Zuchthaus. Vier Gerichtsexperten
untersuchen das halbe Dutzend neu aufgetauchter "Vermeers", die
van Meegeren gemalt haben will, darunter auch Görings
"Ehebrecherin". Das Verdikt: alle falsch. Um einer langen Haftstrafe
zu entgehen, outete sich van Meegeren. Doch niemand wollte ihm
glauben bis man ihm gestattete, im Gerichtssaal seinen letzten
"Vermeer" zu malen: "Jesus unter den Schriftgelehrten" (1945).
Die ganze Welt lachte. 1947 wurde van Meegeren wegen
Kunstfälschung und Betrug zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, der
Mindeststrafe. Ein Herzschlag sorgte dafür, dass der 58-Jährige die
Strafe nicht mehr antreten brauchte.