Diego Vélasquez Venus vor dem Spiegel
der Zensur entronnen, nicht aber dem Vandalismus
Eigentlich ist es ein Wunder dass diese Venus noch existiert. Sie ist die
einzige überlebende Nackte die Diego Velázquez malte.
Nacktdarstellungen waren in der spanischen Kunst des 17.
Jahrhunderts rar, denn die Inquisition wütete. Trotzdem: Nackte
waren begehrt und wurden besonders am königlichen Hof gesammelt,
darunter auch diese. Das zeigt nicht nur die Doppelmoral des
spanischen Hofes unter Phillipp IV, sondern auch die Malkunst von
Velázquez. Genügend Vorbilder aus dem 16.Jahrhundert hatte er ja,
der liebe Diego, angefangen von der Geburt der Venus (Botticelli
1484), der Schlummernden Venus (Giorgione 1508), den Venusen von
Lucas Cranach 1531/32, bis hin zur Venus von Urbino (Tizian 1538).
Um 1800 ging die Venus von Velázquez in den Besitz von Manuel de
Godoy über, erster Minister von Karl IV. von Spanien, und kein
Kostverächter wenn es um erotische Bilder geht. Godoy konnte es sich
leisten die Velázquez Venus zwischen die - wahrscheinlich von ihm
selber kommissionierten - Goya-Werke Die nackte Maja und Die
bekleidete Maja hängen zu können. Im Jahre 1813 kam die Venus
dann nach England und wurde 1906 von der National Art Collections
Fund for the National Gallery, London angekauft.