Wie auch immer, sicher ist dass sich Van Gogh in Arles am
Abend des 23. Dezember 1888 überreizt, überarbeitet, von Paul
Gauguin genervt und vom Absinth betrunken ein Stückchen
vom linken Ohr abgeschnitten hat (über die gegenteilige
Meinung, es wäre das ganze Ohr gewesen, und Gauguin hätte
es ihm abgeschnitten, gibt es ein ganzes Buch). Dass Van Gogh
das abgeschnittene Ohr angeblich einer Prostituierten namens
Rachel offerierte, tut hier nichts zur Sache, bestätigt aber dass
er psychisch krank war. Sicher ist auch dass sein Selbstbildnis
ohne Pfeife nur einen Monat später (Januar 1889) mit Hilfe
eines Spiegels entstand (daher liegt der Verband scheinbar auf
der rechten Seite), und dass es Vincent eigens für seinen Bruder
und Kunsthändler Théo gemalt hat. Damit wollte er ihm
beweisen, dass er schon wieder im Besitz seiner künstlerischen
Kräfte war. Das Bild gelangte in Théos Sammlung, und 19
Monate später nahm sich Vincent das Leben.
Die These, Schuffenecker hätte das Bild mit Pfeife gemalt, ist
nicht völlig absurd, denn dieser erwarb 1890 einige Gemälde
von Théo bzw. seiner Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger,
und kopierte sie. Mehrere dieser Kopien wurden dann 1916
vom angeblich erblindeten Kritiker Théodore Duret in einem
Bildband als echte Werke des Niederländers ausgegeben.