Soweit die Wissenschaft. Jetzt stellt sich die Frage: sollte man dieses - und andere -
Gemälde restaurieren in dem man die braune Farbe entfernt und durch leuchtendes
Gelb ersetzt, so wie es Van Gogh malte? Ist das ethisch vertretbar?
Gegenfrage: Ist es ethisch vertretbar ein Gemälde zu präsentieren, deren Farben
heute nicht mehr jenen entsprechen, die der Künstler für sein Gemälde verwendet
hat? In diesem Fall entfaltet das Werke nicht mehr die Wirkung, die ursprünglich
beabsichtigt war.
Wenn man die Verantwortlichen fragt, bekommt man eine klare Antwort: keine
Restauration, d.h. kein Originalmaterial entfernen und auch keine neue Farbe
aufzutragen, und die Alterung akzeptieren. Ein Konservator sieht seine Hauptaufgabe
darin, den weiteren Farbzerfall zu verhindern, dh zu konservieren. Da die Gemälde
hauptsächlich durch den Lichteinfluß altern, wäre der beste, aber unrealistische
Schutz völlige Dunkelheit. Der zweitbeste besteht in einem Kompromiss: Wenn schon
Licht, dann möglichst wenig unsichtbares, über möglichst kurze Zeit in möglichst
geringer Menge, und vor allem kein UV.
Dazu sollte man noch über die folgene Maßnahme nachdenken: eine Rekonstruktion
mit den ursprünglichen, vom heutigen Original abweichenden Farben neben dem
Gemälde zu projizieren. Dies geschah versuchsweise bei van Goghs legendärem
Schlafzimmer in Arles Gemälde. Die Reaktion des Publikums war durchaus positiv: die
Menschen gaben an besser zu verstehen, welche Wirkung der Künstler mit seiner
Farbwahl beabsichtigte. Also eine gute Lösung, die jedoch ebenfalls Anforderungen an
die Lichtqualität stellt.