Auf dem Gemälde ertappten wir zwei Mönche bei einer Diskussion
über eine Bibelstelle. Die Herren sind in ihrer höhlenartigen
Schlucht offensichtlich verschiedener Meinung, denn während der
eine provokant gebieterisch auf eine Textstelle pocht, zeigt ihm der
andere unfein den Vogel. Sogar ein Knüppel steht bereit, um den
Argumenten eventuell mehr Nachdruck zu verleihen. Spitzweg
zeigt uns also, dass es unter Mönchen sehr menschlich zugeht.
Dabei war der Autodidakt Spitzweg, trotz seiner tiefen
Verankerung in der biedermeierlichen Beschaulichkeit, selbst
keineswegs ein "Spießer". Er reiste viel (Italien, Weltausstellung
1851 London, Prag, Paris) und informierte sich regelmässig über
den letzten Stand der Technik. Zu seinen Zeiten galt freie
Meinungsäusserung zwar als relativ gefährlich, und Zeitungen und
Bücher wurden entweder verboten oder nur nach strenger Zensur
publiziert, aber es gelang ihm trotzdem seine
gesellschaftskritischen Gemälde gut zu verkaufen. Mit ihrem
bayerischen Humor und ihrer sanften Ironie waren sie das richtige
für den damaligen Kunstmarkt. Auch kümmert sich Spitzweg selbst
um deren Verkauf, in dem er durch Handelsvertreter seine Bilder
an Kunstvereine in ganz Deutschland und benachbarte Länder, ja
sogar bis in New York anbieten ließ.
Ein guter Geschäftsmann also, so wie manch anderer Künstler in
der heutigen Zeit, vielleicht aber mit mehr Humor.
“spinnst?”
Ausschnitt