Kein Zweifel: Mit den Werken von Egon Schiele
wurde auch sehr viel Schindluder getrieben. Man
negierte zum Beispiel die Komposition - und legte ein
Passepartout über unbearbeitete Teile des Blattes.
Oder man knickte eine Zeichnung einfach um, weil
die fein gestrichelte Scham im unteren Teil dem
Betrachter die Röte ins Gesicht zu treiben drohte:
Aus dem Hoch- wurde ein halb so großes
Querformat. Aber was, wenn man Jahre später diese
Bildbeschneidungen nicht mehr will? Dort, wo das
Passepartout lag, ist das Papier weit weniger
gebräunt. Und der Knick ist unübersehbar. Na und,
könnte man sagen: Jedes Bild erzählt eben auch seine
Rezeptionsgeschichte; und gerade die Spuren
machen den Reiz aus. Dies jedenfalls ist die Haltung
des Bundesdenkmalamtes: Werke seien in der Regel
zu konservieren - in jenem Zustand, in dem sie sich
derzeit befinden. Und es steht mit dieser Ansicht
nicht alleine da. Klaus Albrecht Schröder, Direktor der
Albertina, hingegen wollte nicht länger mit
makelbehafteten Schiele-Blättern leben. Er legte aber
nicht selbst Hand an - wie einst der Schiele-Experte
Rudolf Leopold, über dessen Restaurierungspraktiken
sich Schröder vor Jahren "gewundert" hat, um es
vornehm auszudrücken: Er ließ fünf Zeichnungen zu
einem Restaurator in die Schweiz verbringen. -
http://derstandard.at/2028233/Geschoente-Schiele-
Blaetter-und-Einsatz-von-Chloramin-T
Die Federzeichnung
"Mädchenhalbakt, die linke
Hand an die Wange gelegt" von
Egon Schiele vor...
...und nach den Eingriffen: Der
Restaurator bleichte das Blatt
und eliminierte - unter
Substanzverlust - die Bruchfalten
in der Mitte.