Egon Schiele - Porträt von Wally
Wie ein Irrtum der österreichischen Behörden zum langjährigen Rechtsstreit führte,
und Auslöser für das Kunstrückgabegesetz wurde.
Walburga »Wally« Neuzil (18941917) stand für Egon Schiele Modell.
Darüber hinaus war sie auch noch als Verkäuferin, Kassiererin und
Vorführdame in einem Bekleidungsgeschäft tätig. Die 17-Jährige zog
1911 mit Schiele ins südböhmische Krumau (heute Český Krumlov) -
der Heimat von Schieles Mutter - und lebte mit ihm dort in wilder
Ehe. Das Portrait entstand 1912 nach deren Rückkehr nach
Neulengbach bei Wien, wo Schiele wegen Gefährdung der
öffentlichen Sittlichkeit zu einer Gefängnishaft verurteilt wurde.
Danach heiratete er 1915 Edith Harms, setzte jedoch die Beziehung
zu Wally fort. Diese starb 23-jährig im Ersten Weltkrieg im Einsatz als
Krankenschwester in Dalmatien an Scharlach. Ihre Grabstätte wurde
erst 2016 im kroatischen Sinj gefunden. Soweit zu Wallys Person.
Zum Bild: Das expressionistisch gemalte Bild zählt zu den
bekanntesten Werken Egon Schieles. Dazu kam es wie folgt.
Nachdem es in den 1920er Jahren in den Besitz von Lea Bondi-Jaray,
Inhaberin der Wiener Kunstgalerie Würthle kam, presste es ihr der
mit dem NS-Regime arbeitende Kunsthändler Friedrich Welz im Zuge
der Arisierung der Galerie 1938 ab.
1945 konfiszierten es die amerikanischen Besatzungsbehörden und
gaben es 1947 an das Bundesdenkmalamt weiter, zusammen mit
weiteren Schiele-Werken, die Welz von dem von den
Nationalsozialisten ermordeten Zahnarzt Heinrich Rieger an sich
gebracht hatte. Mit dem Konvolut des letzteren restituierte das
Bundesdenkmalamt 1950 irrtümlich auch das Bildnis Wallys an die im
Ausland lebenden Rieger-Erben. Dies stellte sich als ein
folgenschwerer Irrtum heraus. Da den Rieger-Erben der volle Umfang
der Riegerschen Sammlung, wie sie 1938 bestanden hatte, nicht
bekannt war, gingen sie davon aus, das Bild hätte ihrem Vater gehört
und verkauften es noch im gleichen Jahr an die Österreichische
Galerie Belvedere. Von dort erwarb es der auf Schiele spezialisierte
Kunstsammler Rudolf Leopold im Tauschweg.
Damit begannen das Schlamassel. Als Leopold das Bild Anfang 1998
im Zuge einer Schiele-Ausstellung im Museum of Modern Art (MoMA)
als Leihgabe zur Verfügung stellte, wurde es auf Antrag der Erben von
Lea Bondi-Jaray in New York wegen NS-Raubkunstverdacht
beschlagnahmt. Erst nach einem zwölf Jahre andauernden komplexen
Rechtsstreit kam es 2010 zu einer außergerichtlichen Einigung, Wally
kehrte nach einer Zahlung von 19 Mio $ nach Wien zurück. Von wem,
wurde nicht gesagt.
Ein teurer Spaß, der aber insofern seine positiven Seiten hatte,
als die in Österreich bisher geschlossenen Archive für
Recherchen über die Herkunft von Bildern auf ministeriellen
Erlass geöffnet wurden. Dies war ein wichtiger Schritt für die
Aufarbeitung ähnlicher Fälle, wie die Causa Adele Bloch-Bauer
(Hubertus Czernin) zeigte. Ein weitere positive Seite des Falls
war der Anstoß für das Kunstrückgabegesetz in Österreich.
Klimt Adele