Egon Schiele - Tote Stadt III
New York ist ein gefährliches Pflaster für Kunstwerke mit NS Raubkunstverdacht
Egon Schieles Tote Stadt III ist eine Variation des mehrfach
ausgeführten Motivs einer Sicht auf die böhmische Stadt Český
Krumlov (Krumau). Das expressionistische Bild ist relativ klein
(37 × 30 cm) und wie ein Stilleben mit Öl auf Holz gemalt. Die
Häusergruppe steht isoliert an drei Seiten von einem tiefblauen
Ring, die Moldau symbolisierend, umschlossen. Krumau ist die
Geburtsstadt der Mutter Schieles, in die sich der Maler
mehrfach aus dem Wiener Großstadtleben zurückzog. Es gibt
eine ganze Serie mit dem Motiv “Tote Stadt, davon viele
Fälschungen. Eines davon - welches die Künstlerin Olga Jäger
1951 dem Neuen Museum in Linz (heute Lentos) als Leihgabe
zur Verfügung stellte, ist heute sogar auf mysteriöse Art
verschwunden.
Das Gemälde Tote Stadt III befand sich einst im Eigentum des
Wiener Kabarettisten Fritz Grünbaum bis dieser im KZ Dachau
ermordet wurde. Es gelangte nach den Wirren der NS-Zeit
durch Tausch mit dem New Yorker Kunsthändler Otto Kallir an
denWiener Kunstsammler Rudolf Leopold.
Aufgrund des Verdachts NS-Raubkunst zu sein, wurde
es 1998 bei einer Ausstellung in New York City
aufgrund eines Herausgabeverlangens eines der in
den USA lebenden Verwandten von Fritz und Lilly
Grünbaum beschlagnahmt, im folgenden Jahr aber
von der New Yorker Staatsanwaltschaft wieder an die
Sammlung Leopold herausgegeben, da die
Erbberechtigung nicht nachgewiesen werden konnte.
Der Rechtsstreit um das Bildnis Wally, welches im
Antrag der Erben von Lea Bondi-Jaray mit derselben
Verfügung sicher gestellt worden war, dauerte bis Juli
2010 an. Kürzlich (April 2018) wurde im ähnlich
gelagerten Fall von Schieles Frau, das Gesicht
verbergend und Frau mit schwarzer Schürze von
einem NY Gericht den Grünbaum Erben die Bilder
zugesprochen. Der Disput um die Tote Stadt könnte
also weitergehen.
New York ist jedenfalls ein gefährliches Pflaster für
Kunstwerke mit NS Raubkunstverdacht.
Bildnis Wally
Frau das Gesicht verbergend
Frau mit schwarzer Schürze
RESTITUTION
Klage gegen Österreich: Grünbaum-Erben fordern Schiele-Werke
Erben des Kabarettisten Fritz Grünbaum fordern die Rückgabe aus der Albertina und dem Leopold-Museum
Olga Kronsteiner
28. Dezember 2022, 09:50
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Keine Rückgabeempfehlung
An den Kriterien des Kunstrückgabegesetzes orientiert fanden sie keine Belege für eine
Beschlagnahme durch die NS-Behörden oder für nichtige Rechtsgeschäfte bis zum Ende des
Zweiten Weltkrieges. Vielmehr dürfte die ab Herbst 1938 in einer Spedition in Wien eingelagerte
Sammlung Grünbaum im Verfügungsbereich der Familie verblieben sein, wie die von 1952 bis 1956
dokumentierten Verkäufe von Grünbaums Schwägerin in der Schweiz nahe legen.
Die zuständigen Kunstrückgabebeiräte sprachen sich deshalb 2010 (Leopold Museum) und 2015
(Albertina) gegen eine Restitution aus. Eine Entscheidung, die von den Erben nach Fritz Grünbaum
wiederholt scharf kritisiert wurde. Sie sehen sich als "Opfer einer verfehlten Restitutionspolitik
Österreichs", denen "kein anderer Weg" bliebe, "als die Gerichte in den USA anzurufen, um
Gerechtigkeit zu erlangen", hatte der österreichische Erbenvertreter Herbert Gruber bereits 2018
angekündigt. Zu aktuellen Klagen will er sich auf Anfrage nicht äußern.
https://www.derstandard.at/story/2000142129814/klage-gegen-oesterreich-gruenbaum-erben-fordern-
schiele-werke