Beim vorliegenden Aquarell handelt es sich also nicht um Raubkunst.
Trotzdem schienen die Erben nach Grünberg Argumente zu Gunsten
von Raubkunst zu haben, um ihre Ansprüche eventuell auch
gerichtlich durchsetzen zu können. Dies mag zu einer Verunsicherung
geführt haben, die sowohl der Verkäufer als auch das Auktionshaus
aus dem Wege räumen wollte.
Das Resultat der Auktion gab ihnen Recht, denn der Verkauf des
Aquarells brachte fast 3 Mio $ ein, anstatt der geschätzten 1,2 Mio $.
Was blieb, war ein "collateral damage" der Sonderklasse: mit der
Entscheidung das Resultat der Provenienzforschung zu ignorieren und
eventuellen Gerichtsverhandlungen aus dem Weg zu gehen, hat
Christie's sämtliche Werke aus der Sammlung Grünbaum zu
Raubkunst degradiert. Es kam, wie es kommen musste: 2018 sprach
ein Gericht in New York den Erben nach Grünberg zwei andere
Schiele Aquarelle mit dem Hinweis zu, die Bilder wären "entzogen"
worden und damit als Raubkunst zu werten, darunter „Frau das
Gesicht verbergend“. Ob der "Entzug" möglicherweise innerfamiliär
geschah, spielte keine Rolle.
Bleibt als übler Nachgeschmack die Tatsache dass die
Provenienzforschung wiederum mit Füssen getreten wurde, und dass
die bloße Androhung einer Gerichtsprozedur schon zu Geld gemacht
werden kann.
Frau das Gesicht verbergend