Das künstlerische Schaffen Schieles blieb auch später ganz unter dem
Eindruck eines Gefangenen, der für seine Kunst und seine Geliebte
über Abgründe wandelt. Für den mit nur 28 Jahren verstorbene
Künstler war der Akt die größte Quelle der Inspiration. Er war im
gewissen Sinne Gefangener seiner eigenen erotischen Kunst. Seine
Zeichnungen zählen heute zu den Ikonen der erotischen Kunst. In der
europäischen Kunstgeschichte gab es zwar immer wieder erotische
Darstellungen, sie waren aber für den privaten Bereich gedacht. Erst im
beginnenden 20. Jahrhundert wurden solche Bilder öffentlich gezeigt,
was zunächst –wie im Fall Schieles –auf große Empörung stieß. Seine
Darstellungen der zentralen Bereiche unseres Lebens, Erotik, Sexualität
und Tod, wurden im damaligen Wien abgelehnt, obwohl er neben
seinen ungeschönten Aktdarstellungen auch psychologisch
einfühlsame Bildnisse schuf, in denen er das innerste Wesen der
Porträtierten ergründete. Dabei erzählen diese Zeichnungen mehr vom
Leid als von der Lust, und vom quälenden Trieb und von der
Vergänglichkeit des Körpers.
Nicht nur in "Liegender weiblicher Akt mit gespreizten Beinen" erzählt
uns Schiele von seinen sexuellen Träumen und erotischen Phantasien.
Auch von “Liegender Akt mit schwarzen Strümpfen” gibt es mehrere
Ausfertigungen. Er malte eine Unzahl weiterer Akte, die heute großes
Kaufinteresse wecken. Manche davon sind im Bestand angesehener
Museen, wie etwa dem Met in NY, werden aber nicht ausgestellt.
Gefangene ihrer eigenen Moralvorstellung?
Liegender Akt mit
schwarzen Strümpfen
1913
1911