Peter Paul Rubens - Selbstbildnis
Kunst als Zeuge für die Ausbreitung eines Krankheitserregers
Es ist das letzte Selbstbildnis von Peter Paul Rubens. Zwei
Jahre später starb der Barockmaler und Diplomat
der spanisch-habsburgischen Krone im 63. Lebensjahr nach
längerem Leiden. Wie man heute weiss, litt er an einer
bakteriellen rheumatoider Arthritis, die damals als Gicht
bezeichnet wurde, und die ihn schon seit Jahren zeitweise
arbeitsunfähig machte. Antibiotika waren noch unbekannt.
Das Bild entstand 1683 auf Rubens' Residenz Het Steen bei
Brüssel wo er den Sommer verbrachte. Im Gegensatz zu
früheren Selbstbildnissen, die nur wenig von seinen
Charaktereigenschaften preisgaben, verleiht dieses Bild seinen
individuellen Zügen stärkeres Gewicht, als dies sonst bei
diesem Bildtypus üblich ist. Neben den üblichen Attributen
eines höfischen Bildnisses wie Säule, Degen und Handschuh,
lassen sein Gesichtsausdruck und seine Hände erstmalig sein
Leiden und die Beschwerden des Alters erraten.
Portraits
Interessanterweise gilt dieses Bild eine der ältesten Quellen für
das Aufkommen der rheumatoiden Arthritis in Europa.
Kolumbus hatte aus der Neuen Welt offenbar nicht nur Gold,
Silber, Truthahn, Schokolade und Kartoffeln mitgebracht,
sondern auch reiche Beute an Krankheitserregern
neben Treponema pallidum (dem Syphilis-Erreger) vermutlich
auch irgendein Bakterium oder Virus oder Allergen, das bei
Menschen mit entsprechender Veranlagung rheumatoide
Arthritis auslöst. Vor der „Entdeckung“ Amerikas war diese
Autoimmunerkrankung in Europa unbekannt. Bei alten
amerikanischen Skeletten lassen sich dagegen die typischen
Gelenkdeformationen nachweisen. Im Gegenzug brachten die
Europäer Masern-, Pocken- und Grippe-Erreger nach Amerika.
Soweit zu Rubens' Krankheitsgeschichte. Kunst als Zeuge der
Ausbreitung eines Krankheitserregers.