Peter Paul Rubens - Helena Fourment „Das Pelzchen
Sugardaddy und seine sexy Hausgöttin im Neureichenpelz: das Zögern eines alternden Meisters
Hélène Fourment (1614-1674) war die Schwester von Rubens erster
Frau. Er ehelichte die gerade 17-Jährige 1630 als 55-Jähriger. Zehn
Ehejahre und fünf Kinder waren ihnen beschieden, nach dem Tode
ihres Mannes hatte Hélène mit ihrem zweiten Mann noch 4 weitere
Kinder, so eine solide Konstitution hatte sie.
Das Portrait der 22-Jährigen zeigt sie unbekleidet als Venus in einen
Pelz gehüllt, wobei sich Rubens vermutlich an jenem „Mädchen im
Pelz“ orientierte, das Tizian rund hundert Jahre vorher porträtiert
hatte. Damit avancierte Hélène zu einem der berühmtesten Pin-ups
des Barocks. Da sie nur einen Pelz anhatte, wurde sie "Das Pelzchen"
(Het Pelsken) genannt. Das Gemälde entstand offenbar in Rubens
Sommerhaus Het Steen ("Rubens Kasteel") in er mit seiner Frau die
letzten 5 Jahre seines Lebens verbrachte, und das derzeit (2020) zum
Verkauf steht. Rubens vermachte das Gemälde testamentarisch
seiner jungen Frau. Es war nie für den Kunstmarkt und die
Öffentlichkeit bestimmt, kam über Verkauf seiner Enkel über
Umwege nach Wien in den Besitz des Habsburgerkaisers Karl VI, und
war ab 1730 im Bestand der Wiener Galerie.
Tizian
Mit seinen ungewöhnliche Rahmenmaßen 196 cm ×105 cm ×9,5
cm kann das Gemälde mit der lebensgroßen Figur heute im KHM
Wien bewundert werden, und zwar in tiefer Hängung. Hélène hat
darauf nichts vom Typus der antiken "Venus pudica", der
"schamhaften Venus", die ihre Blöße mit beiden Armen bedeckt. Im
Gegenteil, ihr rechter Arm, der zur Schulter greift, hebt ihre Brüste
hoch, anstatt sie zu verdecken! Anatomisch ist diese Stellung zwar
nicht möglich, aber durch diesen Kunstgriff verstärkt Rubens die
Weiblichkeit und erotische Wirkung seiner Frau.
Das Gemälde entstand nicht in einem Guss, sondern wurde
zwischenzeitlich vergrössert und teilweise übermalt. Es war
zunächst nur als Halbportrait gedacht, erst später kam der Unterleib
dazu. Auch stand Hélène in der ursprünglichen Version im Freien −
rechts im Bild ist schemenhaft die Löwenmaske eines Brunnens zu
erkennen, was thematisch die alttestamentarischen badenden
Frauen Susanna bzw. Batseba in Erinnerung bringt. Die Übermalung
des Brunnenbeckens wurde durch Makro-Röntgenfluoreszenz-
Scanning bestätigt, und dabei ein pinkelnder Junge entdeckt.
Rubens scheint sich also eines Besseren besonnen zu haben, als er
den üppigen Brunnen übermalte, um so die Blicke auf die Kurven
seiner Superfrau zu konzentrieren.
Nichts lenkte mehr den Blick des alternden Meisters von seinem
erotisch aufgeladenen Pelzchen ab.