Mit seinen ungewöhnliche Rahmenmaßen 196 cm ×105 cm ×9,5
cm kann das Gemälde mit der lebensgroßen Figur heute im KHM
Wien bewundert werden, und zwar in tiefer Hängung. Hélène hat
darauf nichts vom Typus der antiken "Venus pudica", der
"schamhaften Venus", die ihre Blöße mit beiden Armen bedeckt. Im
Gegenteil, ihr rechter Arm, der zur Schulter greift, hebt ihre Brüste
hoch, anstatt sie zu verdecken! Anatomisch ist diese Stellung zwar
nicht möglich, aber durch diesen Kunstgriff verstärkt Rubens die
Weiblichkeit und erotische Wirkung seiner Frau.
Das Gemälde entstand nicht in einem Guss, sondern wurde
zwischenzeitlich vergrössert und teilweise übermalt. Es war
zunächst nur als Halbportrait gedacht, erst später kam der Unterleib
dazu. Auch stand Hélène in der ursprünglichen Version im Freien −
rechts im Bild ist schemenhaft die Löwenmaske eines Brunnens zu
erkennen, was thematisch die alttestamentarischen badenden
Frauen Susanna bzw. Batseba in Erinnerung bringt. Die Übermalung
des Brunnenbeckens wurde durch Makro-Röntgenfluoreszenz-
Scanning bestätigt, und dabei ein pinkelnder Junge entdeckt.
Rubens scheint sich also eines Besseren besonnen zu haben, als er
den üppigen Brunnen übermalte, um so die Blicke auf die Kurven
seiner Superfrau zu konzentrieren.
Nichts lenkte mehr den Blick des alternden Meisters von seinem
erotisch aufgeladenen Pelzchen ab.