Peter Paul Rubens - Dama delle licnidi
Gemütlicher Kunstraub in Italien
Nicht alle Frauenbildnisse von Rubens wurden so bekannt wie dieses. Am
Abend des 19. November 2015 drangen bewaffnete Räuber in das Museo
Civico di Castelvecchio in Verona ein, zerstörten mit ein paar Handgriffen die
Alarmanlage und fesselten den Wächter Francesco Silvestri. Dann bummelten
sie in aller Seelenruhe herum, nahmen Bilder von den Wänden, luden
schließlich siebzehn Renaissance- und Barockgemälde ins Auto des Wärters
und fuhren davon. An den Wänden fehlten danach die "Dame von Lidnici" von
Rubens, die Heilige Familie“ von Mantegna und Werke von Pisanello, Bellini,
und Tintoretto.
Der Überfall dauerte über siebzig Minutendas sind, man kann es nicht
anders sagen, ziemlich luxuriöse Bedingungen für einen Kunstraub, zumal
wenn man bedenkt, dass bei einem Banküberfall auch in Italien die Polizei
nach wenigen Minuten vor Ort ist. Die italienische Presse sprach von einem
Auftragsdiebstahl. Gestohlene Meisterwerke, deren Herkunft jeder kennt,
kann man nicht so einfach verkaufen; das unterschied diesen Fall von den
zahllosen Überfällen auf kleine italienische Museen, bei denen
nichtkatalogisierte Antiken und Bilder gestohlen wurden, die hinterher schnell
im Handel auftauchten. Prominente Werke werden meistens entwendet, um
von den Versicherungen der Museen Lösegeld zu erpressen. Hatten das auch
die Diebe von Verona vor? Oder stahlen sie im Auftrag eines Sammlers?
Man wird nie so genau erfahren, obwohl man relativ rasch eine Bande von
zwölf Verdächtigen verhaften konnte. Im Gegensatz zu anderen
Kulturnationen hat Italien eine Spezialbrigade zum Kulturgutschutz, die
Tutela del Patrimonio Culturale, die den Wächter intensiv verhörte. Dieser
verhedderte sich in Widersprüchen und führte die Ermittler schließlich auf
eine Spur nach Osteuropa. Nur wenige Wochen nach dem Raub fand man
alle 17 Leinwände in Plastiksäcken auf einer Insel in einem Fluss an der
Grenze zwischen Moldau und der Ukraine. Sie kehrten aber erst einige
Monate später nach Verona zurück, denn der Ukrainische Präsident Petro
Poroschenko musste sich noch vorher in "seinem" Erfolg sonnen.
In Italien wurden zwischenzeitlich vier der zwölf Verdächtigen verurteilt: der
Wächter Francesco Silvestri und sein Bruder Pasquale zu zehn Jahren
Gefängnis, Pasquales Freundin, die Moldauerin Svetlana Tkachuk, zu sechs
Jahren sie hatte den Kontakt zur Bande eines Verbrechers namens Victor
Potinga hergestellt. Der bekam selbst nur fünf Jahre. Den Ermittlern war bei
Durchsicht der Überwachungsvideos aufgefallen, dass die Räuber und der
Wächter sich etwas zu reibungslos über dessen Fesselung einigten. Silvestri
konnte auch nicht erklären, warum der Schlüssel seines Autos ausgerechnet
an diesem Tag abfahrbereit im Zündschloss steckte.
Manchmal wäre das Wichtigste für einen erfolgreichen Überfall halt ein
Schauspielerkurs.