Das kleinformatige Blatt Selbstporträt mit aufgerissenen Augen
und Barett gehört zu einer Reihe von Selbstbildnissen, die
Rembrandt vermutlich mit dieser Technik anfertigte um
verschiedene Gesichtsausdrücke und Gefühle abzubilden:
lachend, die Stirn runzelnd, staunend mit aufgerissenem Mund.
Die Bilder sind weniger Selbstbildnisse als Ausdrucksstudien,
die dem Künstler und seinen Schülern als Vorlagen für die
Darstellung von Leidenschaften und Gefühlen in biblischen und
mythologischen Historien dienten.
Heute wissen wir dass Rembrandt zumindest die Möglichkeit
hatte, Spiegel und Linsen zu verwenden, ob er es tatsächlich
tat, ist aber nicht belegt. Einige kritische Studien bestreiten
dies vehement. Auch ist unklar ob es zu Rembrandts Zeit
überhaupt schon Flachspiegel anders als aus Metall gab.
Am besten selbst ausprobieren. Selfies zu machen ist
inzwischen leichter geworden. Rembrandt machte insgesamt
achzig davon.
Abzüge dieser Kaltnadel Radierung (eau forte) findet man nicht
nur in Holland (Rijksmuseum, Amsterdam) sondern auch in der
Schweiz (Jenisch Museum Vevey) und Deutschland (Kunsthalle
Bremen, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg).
1630
Der Müllerssohn mit Lockenkopf: Für sein
Selbstporträt (ca. 1628) kam Rembrandt auf
die damals unerhörte Idee, das Licht von
hinten einzusetzen; wegen Spiegel?