Rembrandt van Rijn - Die Nachtwache
beschädigt aber echt
Die "Nachtwache" ist Rembrandts bekanntestes Werk. Das
Gruppenporträt zeigt die Amsterdamer Bürgerwehr mit ihrer Gilde der
Büchsenschützen und Musketieren. Unter den 31 dargestellten Personen -
darunter möglichicherweise Rembrandt selbst - befinden sich auch 16
Auftraggeber die insgesamt 1600 Gulden für ihr Portrait bezahlten. Dafür
wurden sie auf dem Schild an der Säule auch namentlich genannt.
Mit seiner imposanten Größe von 17 m2 musste das Gemälde seit seiner
Entstehung 1642 schon allerlei mitmachen. Zunächst wurde es im 18 Jhdt.
beschnitten. Als das monumentale Gemälde 1715 ins neuerbaute
Rathaus, den heutigen Amsterdamer königlichen Palast, umziehen
musste, standen die Stadtherren vor einem Problem. Es war damals etwa
vier mal fünf Meter groß - zu groß für die vorgesehene Wand im Rathaus.
Kurzerhand griffen die Verantwortlichen zum Messer und schnitten an
drei Seiten insgesamt 3 m2 grosse Streifen ab, und damit mit 3 Figuren.
Eine kleinformatige Kopie des unbeschnittenen Gemäldes gibt es von
Gerrit Lundens in Öl auf Eichenholz (67 ×85 cm).
Während der französischen Besatzung wurde das Gemälde unter den
Fußböden des Trippenhuis versteckt, wo es angeblich derart
verschmutzte, dass Napoleons Gier darauf verflogen sei. Während der
deutschen Besetzung von 1942 bis 1944 wurde es nacheinander an
mehreren Orten versteckt, und schliesslich in gerolltem Zustand in den
Kalksteingruben von Sint Pietersberg bei Maastricht gelagert, was ihm
sicher auch nicht gut tat. Dann beschädigte es 1975 ein psychisch kranker
Mann mit Messerstichen. Einen weiteren Anschlag gab es im 1990, als
ein Mann Schwefelsäure auf das Gemälde spritzte. Ein Museumswärter
eilte hinzu und schüttete demineralisiertes Wasser auf die Stelle, das die
Säure neutralisierte. Ein größerer Schaden wurde so verhindert, aber die
Zeit war gekommen das Gemälde zu restaurieren.
Im Rahmen des Rembrandt Research Project (RRP) wurde das Gemälde
auch auf seine Echtheit und Eigenhändigkeit untersucht. Grund: seit des
Bestehens des RRP in den 1960er Jahren blieben von den 611 Gemälden,
die dem Maler noch 1935 zugeschrieben wurden, nur 340 übrig. Die
Nachtwache ist nun endgültig dabei. Zum Glück, denn nachdem sich die
Flamen und Wallonen von den Niederlanden 1830 abgespaltet hatten
und mit ihrem Rubens ein eigener Staat wurden, mussten sich die
Niederländer einen neuen Nationalhelden suchen, und das wurde
Rembrandt mit seiner Nachtwache. Man sieht sie im Rijksmuseum, das
weltweit die größte Rembrandtsammlung enthält.