Rembrandt van Rijn - Hochzeitsporträts Marten Soolmans & Oopjen Coppit
eine Kulturministerin erfüllt ihre Aufgabe
Der Bräutigam Marten reicht seiner Braut Oopjen den Handschuh,
ein Symbol für die vertragliche Besiegelung des Eheversprechens.
Die Pendants gelten als die größten Ganzfigurenporträts, die
Rembrandt je schuf, und sie entstanden im zeitlichen Umfeld der
Hochzeit des Paares 1633. Darauf verweist nicht nur die
Datierung des Herrenporträts 1634, sondern auch die Symbolik
der Handschuh-Geste. Zu verstehen als die Übertragung des
"Bestimmungsrechts" über die Braut vom Vater auf den
Bräutigam.
Nicht hinreißend das damalige Rollenverständnis zwischen Mann
und Frau. Interessanter ist die jüngere Geschichte der Gemälde.
Beide waren bis vor kurzem im Besitz des französischen Zweigs
der Familie Rothschild. Als sich diese 2013 davon trennen wollte,
fanden weder der Louvre noch das französische
Kulturministerium die nötigen Mittel (160 Mio Euro) um die
Werke im Land zu behalten. Der niederländische Staat hingegen
war bereit gemeinsam mit dem Rijksmuseum die beiden Gemälde
"ihres" Malers zu erwerben.
Dies brachte die französische Kulturministerin Fleur Pellerin
(Regierung Manuel Valls II unter François Hollande) derart auf die
Palme, dass sie nach einer zusätzlichen Finanzierung suchte. Mit
Erfolg. Dank einer Spende der französischen Zentralbank von 80
Millionen Euro legte sie ihrerseits ein Angebot auf den Tisch. Dies
führte schließlich zu Verhandlungen zwischen Frankreich und den
Niederlanden mit dem ungewöhnlichen Resultat, dass beide
beschlossen die Portraits von Rembrandt gemeinsam zu erwerben
(2015).
Ein Jahr später (2016) war es so weit: in einem Festakt im Louvre
wurde die erste öffentliche Ausstellung der Pendants durch François
Hollande und das holländische Königspaar, Willem-Alexander und
Maxima eingeweiht. Seither werden sie wechselweise im Louvre
und im Rijksmuseum gezeigt.
Fazit: dieses Ergebnis ist nicht nur vorbildhaft für die Europäische
Zusammenarbeit in Kultursachen, sondern auch ein schönes
Beispiel für das Verantwortungsbewusstsein einer Kulturministerin.
Dies steht im Kontrast zur Kulturpolitik anderer Länder, etwa
Österreichs, deren damalige Kulturministerin tatenlos zuschaute,
wie dem Land Klimts Adele "weggeschnappt" wurde.
Klimt Adele
Inauguration Louvre 2016