Rembrandtvan Rijn?-Der Mann mit dem Goldhelm
der Inbegriff eines Rembrandt, ohne von Rembrandt zu sein
Das Gemälde zeigt einen älteren Mann vor dunklem Hintergrund mit
einem auffallend golden leuchtenden Helm. Letzterer ist so
hervorstechend, dass das Gemälde auch als ein meisterhaftes Stillleben
eines Helms aufgefasst werden könnte. Das Bild wurde lange Zeit für ein
Original Rembrandts gehalten. Die dargestellte Person blieb zwar
anonym, wurde aber in der Verwandtschaft Rembrandts gesucht und als
Krieger der Vergangenheit angesehen, dessen Prunkhelm ein Zeichen
seines hohen Rangs war.
Als Förderer der Gemäldegalerie Berlin erwarb der Kaiser-Friedrich-
Museums-Verein im Jahre 1897 das Gemälde als eigenhändiges Werk
Rembrandts. Erst in den 1970er Jahren tauchten im Rahmen des 1968
gestarteten „Rembrandt Research Projects“ Zweifel an der Authentizität
des Bildes auf. Es stellte sich heraus, dass das Porträt eine
Werkstattarbeit war und kein Verwandter Rembrandts Modell gesessen
hatte. Dazu wäre zu sagen dass nach den Statuten des 17. Jahrhunderts
der Meister das Recht hatte, alles in seinem Atelier Gefertigte unter
seinem Namen zu verkaufen. Das erklärt, dass es Werke mit Rembrandts
Signatur gibt, an die er so gut wie nicht Hand angelegt hatte.
Über das Vorhaben des Rembrandt Research Projects“ einen Katalog
der eigenhändigen Werke Rembrandts zu erstellen, mokieren sich einige
Spaßvögel indem sie darauf hinweisen, dass einst über 700 Werke
Rembrandts für eigenhändig gehalten wurden, dass es nur mehr 420
waren als das Research Project begann, und dass sich inzwischen
abzeichnet, dass wir uns mit etwas über 200 begnügen sollten, wobei
das Projekt noch lange nicht abgeschlossen ist. Allerorten werden Werke
abgeschrieben, was die Kuratoren aufschreien lässt und wütende
Gegendarstellungen hervorbringt.
Conclusio: es gibt Rembrandt-Bilder, die sind rembrandtischer als
Rembrandt selbst, so wie der „Mann mit dem Goldhelm. Das Hell-
Dunkel (Chiaroscuro) Gestaltungsmittel und dicke Impasto das
potenzierten Glanz produziert, treibt das rembrandtsche Prinzip über
sich selbst hinaus. Eben deswegen konnte das Bild so berühmt werden,
es war für eine bestimmte Zeit der Inbegriff von Rembrandt, ohne von
Rembrandt zu sein.
Eine Bittere Einsicht.
Bleibt die Frage: von wem ist das Gemälde?