Rembrandt van Rijn - Fälschungen
wie schwer es sein kann jemanden zu beweisen dass er ein
Million Franken in den Sand gesetzt hat
Martin Porkay (1890-1967) war
ein ungarischer Kunstexperte der eine
bekannt gute Nase in Sachen Fälschung
hatte. Als ihm der Schweizer Kunstsammler
Emil Bührle sein 1946 erworbenes
Rembrandt Selbstportrait (1658) unter
besagte Nase hielt, sah er sofort dass mit
dem Bild was nicht stimmen könne. Er fand
heraus dass es eine Übermalung war, und
dass das Selbstportraitauf der
Oberschicht nur um 1800 entstanden sein
konnte. Unter dem Selbstportrait
identifizierte er ein Gemälde das sich als
Kopie von Rembrandts Geißelung Christi
herausstellte, dessen Original in einem
Darmstädter Museum hing, also auch eine
Fälschung.
Rembrandt Geißelung
Christi Darmstadt
Rembrandt Fälschung
Wie zu erwarten, widersprachen ihm namhafte «Experten». Es wären
beides echte Rembrandts meinten sie. Dies war verständlicherweise
auch die Meinung der Galerie, welche Bührle das Bild für 1 Mio SFr
verkauft hatte. Alle versuchten Porkay zu widerlegen, aber vergeblich.
Porkay veröffentlichte den Fall in in seinem Memoiren-Buch
"Rembrandt, andere Leute und ich. Pegasus, Wetzlar, 1959". Wenig
später war es so weit. Sein Fälschungsverdacht wurde durch
röntgenologische und farbchemische Untersuchungen im
Zentrallaboratorium der Belgischen Museen bestätigt. Für seine
Gegner war dies der Gnadenstoß.
Wieder ein Rembrandt weniger. Bleibt die Frage: welche Vorlage
benutzte der Fälscher? Das kurz davor erstellte (echte) «Kleine
Selbstportrait» Rembrandts im KHM Wien (1956) konnte es nicht sein.
Fairerweise erscheint heute der Hinweis "wrongly attributed to
Rembrandt" auf der Internetseite der Bührle Foundation, und das Bild
steht zum Verkauf. Ob es der Foundation die 1 Million wiederbringen
wird, bleibt allerdings abzuwarten;-)
Einziger Wehrmutstropfen: Es gibt von der Fälschung kein Farbbild
mehr auf Internet. Schade, denn es scheint ein gelungenes Portrait
gewesen zu sein.
Kleines Selbstportrait
1657 KHM Wien