Rembrandt van Rijn Die
Verschwörung des Claudius Civilis
aufgehängt, abgehängt, zerschnitten, ausser
Landes gebracht... warum?
Kein anderes Gemälde Rembrandts hat eine derartig bewegte
Geschichte hinter sich. Es wurde 1660 von den Stadtvätern von
Amsterdam in Auftrag gegeben um der kurz davor stattgefunden
Reform-bedingten Loslösung der 7 protestantischen Provinzen
von den spanischen Habsburgern (1648) zu gedenken, und die
historischen Wurzeln der jungen Republik der Niederlande
bekannt zu machen. Dafür spannte man den ehemaligen Bataver-
Fürsten Claudius Civilis ein. Dieser führte im 1. Jahrhundert AD
einen germanischen Aufstand gegen Rom an, dessen Ziel, laut
Tacitus, die Schaffung eines unabhängigen Imperiums in
Nordwesteuropa war. Civilis und sein Stamm, als freiheitsliebend
und heldenhaft charakterisiert, wurden als unmittelbare
Vorfahren der Niederländer betrachtet, und standen somit
gewissermaßen Modell für die Tugenden und Eigenschaften der
sich entwerfenden niederländischen Gesellschaft. Republik der Sieben
Vereinigten Niederlanden 1648
Rembrandts Gemälde zeigt den Moment, in dem die Anhänger von
Claudius Civilis diesem feierlich die Treue schwören. Das 5 x 5 Meter
grosse Monumentalwerk sollte das Amsterdamer Rathaus ziehren. Dazu
kam es aber nicht. Es wurde zwar aufgehängt, nach kurzer Zeit aber
wieder heruntergenommen. Für die Gründe gibt es mehrere Hypothesen.
Gefiel den Stadtvätern das Bild nicht? Ihr Held wird immerhin mit
maskenhaftem Gesicht und einäugig dargestellt und seine Mitkämpfer als
«Knilche » von denen einer gerade säuft. Beides zwar historisch korrekt
aber nicht gerade vorbildhaft. Oder kam es im Rathaus zu einem
Wasserschaden? Oder wurde das Bild deswegen nicht wieder aufgehängt,
weil Rembrandt zusätzliche Geldforderung stellte? Wie auch immer, die
ca 1000 Gulden Honorar wurden ihm vermutlich nie ausbezahlt. Da
Rembrandt damals in Geldnöten war, versuchte er das Gemälde privat zu
verkaufen. Aus diesem Grunde zerschnitt er es, und übermalte es
teilweise. Es war bei seinem Tod jedoch noch immer in seinem Besitz.
Danach wurde es versteigert (1734) und ausser Land gebracht. So
gelangte es nach Schweden, wo es restauriert wurde und aus stilistischen
Gründen der Mann links mit Schwert hinzugefügt wurde.
Bleibt die skurille Tatsache dass ein identitätsstiftendes Gemälde eines
Landes das Herzeigstück eines Museums in einem anderen Land wurde.
R E S T I T U T I ON !!!!