Pablo Picasso –Olympia
Parodie der käuflichen Liebe
Das Motiv der käuflichen Liebe hat in der Kunstgeschichte eine lange
Tradition. Begonnen hat sie in der Renaissance mit Giorgiones Schlummernder
Venus (1510) und Tizians Venus von Urbino (1538), letztere mit einem Hund
zu Füssen, und einen viel beachteten Höhepunkt erreichte sie im 19. Jhdt. mit
Manets Olympia (1863). Da liegt sie, die Kurtisanin, auf ihrem weiss
bezogenen Bett, mit einer schwarzen Katze zu ihren Füssen und einer
schwarzen Bedienerin an ihrer Seite mit einem Blumenstrauss. Welch ein
Skandal ! Paul Cézanne ging mit seiner kurz danach entstandenen "modernen"
Olympia bereits einen Schritt weiter und zeigt neben der Prostituierten und
der Dienerin auch gleich den Freier. Paul Gauguin kopierte Manets Werk 1891,
und auch Edgar Degas und Henri Fantin-Latour ließen sich von ihm inspirieren.
Natürlich konnte auch Pablo Picasso der Versuchung nicht widerstehen. Zu
Beginn des 20. Jhdt. griff er das Thema auf, wählte aber die Form der Parodie.
Auf dem Bett räkelt sich anstatt einer Hellhäutigen eine Dunkelhäutige, neben
ihr ein Hund UND eine Katze, und anstatt der bekleideten Dienerin sitzen
gleich zwei nackte Männer bei ihr, hinten Picassos Freund Sebastià Junyer-
Vidal der (Passions?)früchte anbietet, und vorne Picasso selbst der seine
intimen Partien zeigt. Auf die Idee muss man erst kommen.
Olympia
Tizian
Manet
Cézanne