Pablo Picasso - Lacteur
Schlagzeilen eines Schauspielers
Der lebensgroß gemalte Schauspieler in rosa Tönen stammt vom 23-jährigen
Picasso. Der junge Künstler hatte damals noch nicht die Mittel für den Ankauf
einer derartig grossen Leinwand, und so bemalte er kurzerhand die Rückseite
einer existierenden Landschaft. Seit 1952 ist sein Gemälde im Bestand des
Metropolitan Museum of Art (MET) in New York. Danach machte L'acteur
dreimal Schlagzeilen in der Presse.
Das erste Mal im Jahr 2010, als eine Schülerin während des
Kunstgeschichteunterrichts im MET gegen das Gemälde stolperte, und einen
15 cm langen Riss hinterliess. Nach 3-monatiger Restauration konnte es zwar
auf seinen Platz zurück, musste allerdings hinter eine Scheibe aus Plexiglas.
Der Marktwert sei durch den Unfall von 130 auf 65 Mio $ gesunken.
Hauptleidtragende war vermutlich die Versicherung.
Das zweite Mal gelangte das Gemälde 2016 in die Schlagzeilen, als die Erben
seines ehemaligen Besitzers, des Kölner Bankiers und Industriellen Paul
Leffman, auf Restitution durch das MET klagten. Sie machen geltend, dass ihr
jüdischer Vorfahre das Bild unter Zwang (duress) verkaufen musste. Er sei
gezwungen gewesen, sein Kölner Haus, weitere Immobilien und die
Firmenbeteiligungen im Zuge von „Arisierungen“ zu verkaufen, um aus Nazi-
Deutschland fliehen zu können es sei also eine verfolgungsbedingte
Veräußerung erfolgt.
Tatsächlich hatte Paul Leffmann den Picasso bereits 1932 in die Schweiz
verbracht und dort deponiert. 1937 floh er aus Deutschland nach Italien und
1938 von dort nach Brasilien, und verkaufte dabei das Gemälde für 13.200
Dollar an Pariser Kunsthändler (darunter Paul Rosenberg). Von diesen gelangte
es 1940 in die Knoedler & Co. Gallery nach New York,wurde dort 1941 von einer
Chrysler Tochter für 22.500 Dollar gekauft, und von dieser 1952 dem MET
gespendet.
Dritte Schlagzeile im Jahr 2018: Nach zwei Jahren Verhandlungen kam das New
Yorker Gericht zum Schluss den Antrag der Leffman Erben abzulehnen. Grund:
letztere hätten - nach New Yorker Recht - nicht nachweisen können dass ihr
Vorfahre den Picasso unter Zwang (duress) verkaufen musste. Auch eine
Berufung wurde abgelehnt: diesmal mit dem Grund die Rückgabeforderung sei
zu spät eingereicht worden, nämlich erst 72 Jahre nach dem Verkauf, und 58
Jahre nach der Schenkung an das Museum. Das Gemälde durfte also im MET
bleiben. Ob das eine "gerechte und faire Lösung" im Sinne der Washingtoner
Prinzipien war, sei dahingestellt. Der Fall wurde an der Universität Genf juridisch
"aufgearbeitet" (The Actor Leffmann Heir v. Metropolitan Museum of Art).
Nachtrag: Die Leffmanns kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa
zurück. Sie ließen sich in der Schweiz nieder und stellten Jahrelang Anträge auf
Wiedergutmachung und Hilfsersuchen an öffentliche Stellen. Für den Verlust
ihres Hausrates wurden sie entschädigt. Von einem Picasso-Bild war in den
Antragstellungen nach heutiger Kenntnis allerdings an keiner Stelle die Rede.
Das scheint sich gerächt zu haben.