Pablo Picasso - La famille du jardinier
Remineszenz eines 86-Jährigen, und Betrug eines «Kunstberaters»
Wer ist dieser Gärtner? Und wer ist die Frau mit dem Kind? Stellt der Gärtner
etwa den jungen Picasso dar, mit seinem typischen Ruderleibchen der 50er
Jahre, und seiner ersten Frau Olga mit deren gemeinsamen Kind, dem Sohn
Paolo? Gemalt hat er das Bild jedenfalls als 86-Jähriger, möglicherweise in
Erinnerung an seine damalige verkorkste familiäre Beziehung mit Olga.
Verstört genug schaut er ja aus der Wäsche. Bis zur Geburt von Paolo 1921
galt die Ehe als glücklich. Spätestens 1927 jedoch begann Picasso eine
Affaire mit Marie-Thérèse Walter, und nachdem diese von ihm schwanger
wurde, zog Olga mit ihrem Sohn nach Südfrankreich und reichte 1935
die Scheidung ein. Eine jahrelange Auseinandersetzung um das Vermögen
verhinderte diese jedoch. Erst der Tod Olgas 1955 machte den Weg frei für
Picassos zweite Ehe mit Jaqueline Roque.
Abgesehen von dieser nostalgischen Note liefert das Bild ein schlagendes
Beispiel für das einträgliche Geschäft von sogenannten "Kunstberatern". Als
einen solchen erklärte sich der Düsseldorfer Tausendsassa Helge Achenbach.
Als gut vernetzter Konsulent erlangte er bei vermögenden Kunden ein
gewisses Ansehen beim Aufbau von deren Kunstsammlungen. Was er nicht
sagte war, dass er seinen Kunden bei Kunstkäufen verdeckte Preisaufschläge
berechnete, und dafür auch manchmal Rechnungen fälschte.
Ein Beispiel dafür war dieses Picasso Bild. Im Sommer 2009 kaufte er es im
Auftrag des Aldi-Erben Berthold Albrecht bei der Chicagoer Galerie Richard
Gray für 5 Millionen Dollar (damals 3.6 Mio Euro), stellte Albrecht aber einen
Kaufpreis von 5,5 Millionen Euro in Rechnung, plus 275 000 Euro Provision,
also fast 2 Millionen € zu viel.
Nach dem Tode Albrechts 2012 flog der Schwindel auf, und die Milliardärs-
Witwe Babette Albrecht klagte wegen Betrug, Urkundenfälschung und
Untreue. Im darauffolgenden Prozess gestand Achenbach in der Zeitspanne
zwischen 2009 und 2011 Albrecht und andere Unternehmer betrogen zu
haben. Den Gesamtschaden für die Familie Albrecht schätzen die Anwälte auf
bis zu 30 Millionen Euro. Achenbach wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.
Die Auseinandersetzung erinnert frappant an die noch immer anhängige
Affaire Bouvier-Rybolovlev, nur spielt diese mit Gemäldewerten um die 100
Millionen $ und einem geschätzten Gesamtschaden von bis zu einer Milliarde
$ in einer anderen Liga.
Last but not least, zeigt diese Affaire wie Bilder von der öffentlichen
Oberfläche verschwinden können. Seit dem Prozess wurde das Picasso-
Gemälde nicht mehr gesehen und offenbar auch nicht mehr zu Ausstellungen
verliehen. Ein möglicher Grund, warum es derzeit kein besseres Bild davon
gibt, auch nicht in gängigen Kunstbüchern. Eigentlich schade. Man kann nur
hoffen dass das Gemälde im Rahmen eines Nachlasses wieder auftaucht.
Mogliani Reclining Nude