Pablo Picasso - Buste de Femme (Marie Thérèse)
Die doppelt verkaufte Skulptur mit dem Pimmel im Gesicht
Picasso schuf das Abbild seiner - damals noch heimlichen - Geliebten
Marie-Thérèse Walter im Jahr 1931. Da war er noch mit der russisch-
ukrainischen Tänzerin Olga Khokhlova verheiratet, und sein Sohn Paolo
war 10 Jahre alt. Er hatte die 17-jährige Marie-Thérèse als 46-Jähriger
im Januar 1927 zufällig in den Strassen von Paris kennen gelernt, und
ging mit ihr in den folgenden Jahren eine intensive Beziehung ein. Nach
der Geburt deren Tochter Maya im Jahr 1935 reichte Olga die Scheidung
ein, die jedoch durch eine jahrelange Auseinandersetzung um das
Vermögen Picassos verhindert wurde.
Die Buste de Femme (Marie Thérèse) entstand im Château
de Boisgeloup (50 km NW von Paris) das Picasso 1930 gekauft hatte,
um sich dort mit seiner Geliebten treffen und arbeiten zu können. Die
Skulptur ist aus Gips und zeigt einen unförmigen Kopf über
grobschlächtigen Brüsten, wobei die über die Stirn hereinhängende
Wurst meist als Picassos Pimmel interpretiert wird. Im Kontrast dazu
mutet der Mund direkt ansprechend an. Die Idee mit dem Pimmel
schlachtete Picasso in dieser Zeit mehrmals aus, etwa im Gemälde «Le
rêve» (1932), und in der Skulptur "Head of a Woman" (1931), diesmal
sogar mit Testikeln, die aus den Augen quasi herausquellen.
Head of a Woman Le Rêve
Nach dem Tod von Marie-Thérèse (sie erhängte sich 1977, vier Jahre
nach Picassos Tod) blieb das Unikat im Besitz von Maya, inzwischen
verheiratet mit Pierre Widmaier, mit dem sie drei Kinder hatte: Olivier,
Richard, und Diana. Diese schienen ihre alternde Mutter unterschiedlich
beeinflusst zu haben, denn es kam unter einigermaßen verworren
familiären Verstrickungen zum zweifachen Verkauf der grossmütterlichen
Büste. Nach einer Ausstellung 2011 fädelte Mayas Sohn Olivier Ende
2014 den ersten Verkauf an ein Händlerkonsortium (Pelham Holding) ein,
hinter dem die Kunstsammlerin Sheikha Al-Mayassa aus dem Katar
stand. Der Verkaufspreis lag bei 42 Millionen Dollar. Als seine Schwester
Diana Monate später davon erfuhr, brachte sie ihre 80-jährige Mutter
dazu den vom Bruder eingefädelten Vertrag zu kündigen, und die
Skulptur im Mai 2015 ein zweites Mal zu verkaufen, diesmal um mehr als
das doppelte (105,8 Millionen Dollar) an den New Yorker Kunsthändler
Larry Gagosian. Dies ging natürlich nicht ohne Reibereien über die
Bühne. Die Affaire Gagosian versus Pelham mit Klagen in New York, Paris
und Genf war geboren. Darin war auch von Demenz der Verkäuferin
Maya die Rede. Sie hätte den alten Vertrag unter einem
vorübergehenden Schwächeanfall(“défaillance momantanée”)
unterzeichnet. Nach Auskunft der Anwältin wären Mayas Fakultäten
wieder vollkommen hergestellt depuis, elle a recouvré l’intégrali de
ses facultés »). Wie sich die beiden Geschwister ihre Unstimmigkeiten
untereinander ausmachten, bleibt unbekannt.
Picasso Généalogie
Jedenfalls kam es zu einer Einigung wonach die Skulptur an
Gagosian ging, und der Katarer-Mittelsmann mit einer finanziellen
Kompensation in unbekannter Höhe abgefunden wurde. Die
Picasso-Skulptur schmückt seither die hochkarätige Kollektion von
Leon Black, dem Gründer der Investmentfirma Apollo Global
Management, der auch ein Kunstgeschichtestudium absolvierte.
Zu den Trophäen des Milliardärs gehört etwa Edvard Munchs
Pastell Der Schrei (1895), das er 2012 bei Sotheby's für 119,92
Millionen Dollar ersteigerte.
Passt irgendwie zur Skulptur mit dem Pimmel im Gesicht
KY Dez 2020
Munch Schrei