Pablo Picasso Femme nue a l’oiseau et joueur de flute - info
Eigentlich schon seit dem Kriegsende 1945 und ganz besonders in den sechziger Jahren gehörte Picasso
erstaunlich genug nicht mehr zur künstlerischen Avantgarde. Als Femme nue à l’oiseau et joueur de flute
1967 entstand, bearbeitete der nunmehr 86-jährige Maler in der Abgeschiedenheit Südfrankreichs mit
mediterraner Gelassenheit immer wieder auch bukolische Themen. In den neuen Kunstmetropolen London
und besonders New York hatte sich konträr zum alten Malereihandwerk eine Kunstrichtung Bahn
gebrochen, die der Konsum- und Warenwelt huldigte Pop Art. Die ersten seriell produzierten Siebdrucke
aus der ”factoryAndy Warhols kamen auf den Kunstmarkt. Arbeiteten die Pop Artisten mit den Methoden
und Motiven der Warenästhetik, so wandte sich Picasso der antiken Tradition zu: mit Darstellungen des
idyllischen, einfachen wie friedlichen Landlebens, dem auf seiner Syrinx musizierenden Pan, dessen Spiel die
Tiere des Feldes, Ziege oder Stier, lauschen. Wer erinnerte sich nicht an Theokrits oder Vergils
Hirtengedichten?
Ein der Femme nue à l’oiseau et joueur de flute ähnliches Bild zeigte sich im LAubade von 1965 (Genf, Petit
Palais). Hier wie dort liegen Mann und Frau nackt in der Natur beieinander. Der Mann spielt auf der Flöte,
die Frau hört ihm zu. Picasso variiert hier in der Darstellung des Zueinanders von Mann und Frau, sein
Lebensthema: Eros und Künstlerschaft. Vielleicht könnte man den Stil des greisen Künstlers nicht mehr für
zeitgemäß halten. Indem er aber Archetypisches behandelt, werden seine Figuren wie Homers irrender
Odysseus - zeitlos und immer von allgemein menschlichem Interesse bleiben. Die nackte Frau, die den
Flötenspieler ansieht und zu berühren scheint, bewegt ihn und veranlaßt ihn zum Spiel. Dessen Füße
schlagen den Takt, Taktschwüngen ähnlich bewegt sich der Pinsel, der Arme und Beine darstellen will. Wie
ein Fontäne quellen die Finger empor! Ausgeglichen und symmetrisch geordnet erblüht die Frau daneben,
die zugleich der von der Musik angelockte Taube ihre Hand reicht, In diesem Verhältnis findet die Natur
ihren Frieden.