Claude Monet - Le Bassin aux Nymphéas
Seerosen auf einer Yacht in den Weltmeeren
Monet studierte seine Malmotive gerne unter sich ändernden
Lichtverhältnissen. Daraus resultierten ganzen Gemäldeserien, wie etwa jene
der Heuhaufen (Meules), des Parlements und der Kathedrale von Rouen. Die
Seerosen-Serie ist wohl die umfassenste darunter. Sie zählt nicht weniger als
250 Gemälde in denen Monet unzählig Details seines Seerosenteichs mit der
Japanischen Brücke malerisch verewigte. Diese waren Teil seines berühmten
Gartens, den er anlegen liess nachdem er sich 1883 in Givenchy als 43-Jähriger
niedergelassen hatte. Er soll dort 6 Gärtner gleichzeitig beschäftigt haben,
damit der Teich immer in perfektem Zustand gehalten wurde. Für die
Farbkomposition im Ziergarten kaufte er teils exotische Pflanzen, die zu dem
Zeitpunkt in Frankreich nicht bekannt waren.
Monet war nicht nur sehr fleissig sondern auch sehr anspruchsvoll, und zwar
mit sich selbst. Als er in der Zeit zwischen 1916 und 1923 an den
großformatigen Seerosenbildern arbeitete, zerschnitt er so manche weil er
damit unzufrieden war. Dies zum Leidwesen seines gleichaltrigen
Freundes Georges Clemenceau (1841-1929), damaliger Ministerpräsident von
Frankreich, dem er anlässlich des siegreich beendeten Ersten Weltkrieges die
Bilder anbot damit dieser sie der französischen Nation zum Geschenk mache.
Monets Sehschwierigkeiten nahmen in dieser Zeit immer mehr zu, sodass er
sich in seinen lichtdurchfluteten Garten zurückzog wo er 1926 im Alter von 86
Jahren starb.
Bei der Anzahl von Seerosenbildern ist es nicht verwunderlich dass sie heute
über die ganze Welt verstreut sind. Der Löwenanteil - jenen den er der
französischen Nation schenkte - befindet sich im Musée de l'Orangerie in Paris.
Alleine diese Bilder sind aneinandergereiht 100 Meter lang und bedecken eine
Oberfläche von über 200 m2. Das hier gezeigte „Le bassin aux nymphéas
stammt aus einer Serie von 11 Gemälden, die Monet vom selben Teichsegment
malte. Sie haben alle ein Querformat von ca 100 x 200 cm, und zeigen keinen
Himmel sondern ausschließlich Wasseroberfläche und darauf schwimmende
Seerosen (nymphaeas, aquae lilia). Unter vier sehr ähnlichen Versionen ist eine
in russischem Privatbesitz, befindet sich aber nicht auf Festland, sondern
schwimmt auf Weltmeeren. Dazu kam es wie folgt.
Im Jahre 2008 wurde das Bild von seinen US-Besitzern bei Christie's in London
versteigert. Nach langem Bietergefecht ging es für 52 Mio an einen anonymen
Bieter, ein damaliger Rekord für einen Monet. Der neue Besitzer stellte sich bald
als der in der Schweiz ansässige Milliardär Andrey Melnichenko heraus. Sein
Vermögen hatte er durch Geschäftsmöglichkeiten beim Niedergang der
Sowjetunion und dem nachfolgenden Aufschwung Russlands angehäuft. Als
gewiefter Geschäftsmann holte er sich das Gemälde aber nicht aus London ab,
sondern aus Kristiansand, und zwar mit seiner 119 Meter langen Mega Yacht
"A". Warum Kristiansand ? Norwegen liegt ausserhalb der EU und verrechnet
keine Importaxen.
Seither schwimmen die Seerosen auf den Weltmeeren. Der studierte Physiker
weiß, wie man mit dem Wind segelt, ohne viel rudern zu müssen.