Claude Monet - Villas à Bordighera
von den Zores der Familie Wildenstein
Villas à Bordigheraist eines von 50 Gemälden die Monet 1884 aus
Bordighera an der ligurischen Riviera zurückbrachte und teilweise im
Atelier von Giverny vollendete. Von den drei Versionen des Gemäldes
wurde die vorliegende im Jahr 2007 in den Räumen der Wildenstein
Galerie in New York ausgestellt, bevor sie zu einem unbekannten Zeitpunkt
in Hasso Plattners Museum Barberini in Potsdam wanderte. Die anderen
beiden Versionen hängen in Orsay (Monets Geschenk an Morisod), und in
Chicago. Die beiden ersten Versionen zeigen den Garten mit dem Turm der
Villa Bischoffsheim. Das Haus wurde von Charles Garnier (Erbauer der
Opéra de Paris) erbaut und diente diesem als Winterresidenz (1871-1873).
Im Hintergrund erkennt man die Kirche Santa Maria Maddalena. Die
Chicago Version zeigt den Ort aus der Ferne.
Das Wildenstein Bild hat eine Geschichte die symptomatisch dafür ist wie
diese französische Dynastie von Kunsthändlern zu Reichtum gelangte, und
sich danach in inneren Kämpfen zerfleischte. Obwohl über 5 Generationen
selbst jüdisch, schreckte sie etwa nicht davor zurück, in der NS-Zeit und
danach mit jüdischer Raubkunst zu handeln.
Guy Wildenstein
New York 2007
Daniel Wildenstein (1917-2001) Kunsthistoriker, Gründer des Wildenstein
Instituts in Paris, Autor des 5-bändigen Monet Katalogs, Kunsthändler und
Rennstallbesitzer, leitete die Geschicke der Familie, unterstützt von seinen
Söhnen Guy und Alec. Eine der wichtigsten Aktivitäten dieser Zeit war das
Familienvermögen in off-shore Trusts verschwinden zu lassen. So fähig sie
dabei agierten, so unfähig waren sie im Umgang mit ihren Frauen.
Die Familienclan begann 1998 zu bröckeln als sich Jocelyn Wildenstein -
mit ihrem fatalen Hang zur Plastikchirurgie - von Alec scheiden liess, und
die darauf folgenden Streitereien die dunklen Geschäfte der Familie
blosslegten. Die wahren Probleme begannen aber mit dem Tod des
Patriachen Daniel im Jahre 2001. Seine Söhne Guy und Alec aus erster Ehe
überredeten ihre Stiefmutter Sylvia Roth Wildenstein unter Vorspiegelung
falscher Tatsachen - etwa einer hohen Schuldenlast ihres Mannes - auf
ihren Erbschaftsanteil zu verzichten. Dies hätten sie besser nicht getan.
Als Sylvia sah dass sie dabei auch ihre geliebten Pferde verlor,
durchschaute sie die Machenschaften ihrer Stiefsöhne und klagte wegen
Erbschaftshinterziehung. Damit begann ein langjähriger Rechtsstreit um
Daniels Vermögen, an dem sich noch zusätzlich der französische Staat mit
einer Steuernachforderung von ca 550 Mio € beteiligte. Es zeigte sich dass
Daniel Wildenstein keineswegs mittellos starb. Er hinterliess neben der Ol
Jogi Ranch in Kenia tausende Gemälde im geschätzten Gesamtwert von 10
Milliarden $, darunter Monets Gemälde „Villas à Bordighera.
Sylvia
Jocelyn
Medienberichten zufolge lagerten viele dieser Kunstwerke in
europäischen und amerikanischen Zollfreihäfen bzw. Banktresoren. Bei
Hausdurchsuchungen durch den französischen Staat tauchten auch
Werke jüdischenr Besitzer auf, die als NS-Raubkunst vermisst oder
gestohlen gemeldet gewesen waren. Recht unappetitlich das Ganze.
Auf welchen Umwegen die „Villas à Bordighera“ in den Besitz von Hasso
Plattner kam, ist nicht einsehbar. Auf der Webseite seines Barberini
Museums in Potsdam steht lediglich dass es aus einer privaten Sammlung
stammt, und dass der Besitzerwechsel 2007 stattgefunden hat. So
wahrscheinlich Wildenstein als Provenienz ist, so unwahrscheinlich ist
das Datum des Besitzerwechsels. Das Museum besteht seit 2017. Hat da
jemand die Zores der Wildensteins auf nicht ganz koschere Art zu seinen
Gunsten genutzt?
Im Jahre 2017 gelang dem inzwischen 70-jährigen Guy Wildenstein und
UMP Mäzen des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy
im strafrechtlichen Prozess freigesprochen zu werden. Er riskierte
immerhin 10 Jahre Gefängnis wegen Steuerbetrug und erschwerender
Geldwäsche. Die 550 Mio Euro Steuer muss er aber zahlen. Wenigstens
das, ausser es gibt wieder eine Überraschung;-)
KY 2021
Museum Barberini
Potsdam