Die pastosen Farbflecken mit der den Blick geradezu hypnotisierenden Wirkung gehören zu Claude Monets
Kathedrale von Rouen in der Sonne von 1893. Der gotische Sakralbau in der Normandie war eines jener Motive, die
Claude Monet (1840-1926) immer wieder zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten gemalt hat. Denn er wollte
nicht nur einfach eine Kirche, eine Brücke, einen Garten malen, sondern die spezielle und schöne Stimmung, die
Atmosphäre einfangen: die Impression eines kurzen Moments. Ein Anspruch, den er als "großes Leiden" und auch
als Unmöglichkeit empfand; das Gesetz der Serie - mehrere Bilder zum Ensemble zusammenzuspannen - erschien
ihm als einzige Lösung. Monet war oft unzufrieden mit den Ergebnissen, hunderte Bilder soll er zerstört haben, viele
davon voller Wut und mit einem Fußtritt mitten in die Leinwand. Wer einmal die Intensität von Monets Farbgewalt
am Original erlebt hat, seine Fähigkeit die Wahrheit eines Augenblicks, einer Seherfahrung in Malerei zu übersetzen,
der kann sich vorstellen, welche immense Wirkung die Bilder des Impressionisten auf seine künstlerischen
Zeitgenossen gehabt haben müssen.
Klimt, Boeckl, Weiler Genau um die geht es in der aktuellen Ausstellung in der Orangerie des Belvedere. Auch. Um
Österreichische Künstler und das Werk des großen Impressionisten, also etwa um Vertreter des
Stimmungsimpressionismus wie Tina Blau, Carl Moll, Olga Wisinger-Florian und Theodor von Hörmann, oder um
ungleich bekanntere Vertreter der österreichischen Kunstgeschichte: Gustav Klimt, Herbert Boeckl oder Max Weiler.
Es war zwar nicht genau diese, das Präludium der Schau dominierende Kathedrale von Rouen (eine Leihgabe aus
Boston), die vor über hundert Jahren in Wien (1912 in der Galerie Arnot) ihre Wirkung entfaltete, aber eine
ähnliche, ins Mittagslicht getauchte Variante. Monets Bilder waren jedoch bereits vor der Jahrhundertwende in
Wien präsent. Vereinzelte Quellen gehen sogar davon aus, dass schon bei der Weltausstellung 1873 Der Zug (1872)
zu sehen war. Sicher ausgestellt waren Frühwerke sowohl im Künstlerhaus 1898, als auch - und insbesondere - bei
der dem Impressionismus gewidmeten Schau 1903 in der Secession. Auf die diesbezüglichen Forschungen geht der
Katalog ein, in der Ausstellung könnte man dies nicht annähernd ausbreiten.
http://derstandard.at/2000007233139/Auf-Kuschelkurs-mit-Meister-Monet#posting-40414935
Monet –Kathedrale von Rouen