Le Parlement, coucher de
soleil 1904 Kunsthaus Zürich
Claude Monet - Les parlements de Londres (Serie)
Wie man 19 fast identische Bilder malt, ohne zu langweilen
Houses of Parliament
1905 Marmottan Monet Paris
Das Bild vom britischen Parlamentsgebäude ist Teil einer Serie von
19 Ölgemälden betitelt: Les parlements de Londres (Houses of
Parliament) die Claude Monet während seiner Besuche in den
Jahren 1899-1901schuf. Es zeigt den Westminsterpalast, Sitz des
Britischen Parlaments, mit Blick auf die Themse. Monet logierte im
fünften Stock des Hotel Savoy gegenüber. Das Hotel gefiel ihm, weil
es an der Biegung der Themse lag, und er sich vom Balkon aus
während des Tages verschiedenen Motiven widmen konnte. Die
Parlament-Serie schuf er aber vom gegenüber liegenden St. Thomas'
Hospital, und zwar im späten Nachmittag als er das Parlament frontal
mit der sich senkenden Sonne malen konnte, was u. a. aus Briefen
des Malers an seine Frau hervorgeht.
Monet war offensichtlich begeistert vom Londoner Nebel - ein
damaliges Nebenprodukt der industriellen Revolution - als er meinte
"London wäre ziemlich hässlich, wenn es den Nebel nicht gäbe".
Davon zeugen auch diverse Titel seiner Parlament-Serie: etwa
sein "Londres, le Parlement, effet de soleil dans le brouillard" (1904).
Warum hat Monet diese Serie, genauso wie andere, etwa etwa
die Charing Cross Brücke oder die Waterloo Brücke, gemalt? Es hat
offensichtlich mit dem Hauptanliegen der Impressionisten zu tun,
einen "Eindruck der Wirklichkeit" abzubilden, und zwar bei
verschiedenen Licht- und Wetterverhältnissen. Das bekannt
unfreundlichem Klima in London kam Monet dabei zu Hilfe.
Interessanterweise verwendete er zur Vergleichbarkeit der Bilder
eine Schablone und beendete die meisten erst bei seiner
Rückkehr ins Atelier von Givenchy. Dies erklärt warum die Maße
aller Bilder praktisch identisch sind, ca 81 cm x92 cm, und warum
er sie nicht aus London sofort an seinen ndler schickte. Er
wollte sie alle zuerst im Atelier "verfeinern", und zwar der
Vergleichbarkeit halber möglichst alle zugleich. Das dauerte bis
1905.Durand-Ruel musste also warten.
Bei einer Anzahl von 19 fast identischen Gemälden kein Wunder
dass man sie in Museen vieler Ländern der Welt findet: Orsay,
Marmottan, Chicago, Princeton, Brooklyn, Florida Washington DC
(2x!!??), NY, Lille , Zürich, MoskauJedes einzelne Bild ist heute
geschätzte 40 Mio. $ wert. Zum Glück kamen sie nicht alle
zugleich am Kunstmarkt.
Interessanterweise schuf Ferdinand Hodler fast zeitgleich seine
Stockhorn Serie am Thunersee, offenbar mit ähnlichem Anliegen.
Londres, le Parlement, trouée
de soleil dans le brouillard,
1904 Orsay
Hodler Stockhornserie
1904/13
Interessant ist auch dass Monet bei diesen Serien an sich zweifelte,
und manchmal ein Bild zerstörte. Vor seinen London-Serien schuf er
schon andere Bildserien, etwa jene mit der Kathedrale von Rouen
(1892-94), die 33 Gemälde in verschiedenen Lichtsituationen und
zum Teil mit geringen Variationen des Standpunktes, umfasst. Schon
damals war ihm das Malen von veränderlichen Lichtverhältnissen
ein Anliegen, bereitete ihm aber Probleme. Er hegte Zweifel an die
Qualität seiner Bilder und hatte Albträume. Einige Leinwände
zerstörte er sogar.
Es wäre nicht Monet, wenn seine Gemälde nicht wissenschaftlich
untersucht worden wären. Die Fragen betrafen insbesondere das
Londoner Klima und den Sonnenstand zur Entstehungszeit. Die
Ergebnisse sind konsistent mit Daten von Monet selbst (er datierte
seine Bilder erst nach Fertigstellung), und bestätigen dass seine
Bilder in die "Blüte" des Londoner Nebels fallen. Weiters bewiesen
die Forscher dass es Monets wirkliche Absicht war, die
Lichtverhältnisse so akkurat wie nur möglich darzustellen - sie seien
damit eine wirkliche visuelle Aufnahme der städtischen Atmosphäre
des Viktorianischen Londons und seines Nebels. Das Phänomen
konnte übrigens in den letzten Jahrzehnten über verbesserte
Luftschutzmaßnahmen (Clean Air Act 1965) weitgehend
eingedämmt werden.
Kathedrale von Rouen
1892-94 Orsay
Gemälde-Serien