Claude Monet - Impressions-Soleil Levant
Ablehnung einer neuen Stilrichtung, Kritik der Kritik
Die Ikone des französischen Impressionismus zeigt eine Sicht auf den Hafen
von Le Havre, der Heimatstadt von Claude Monet. Gemalt wurde sie 1872
und ausgestellt 1874 im Salon des refusés, zusammen mit Bildern von
Camille Pissarro, Alfred Sisley, Auguste Renoir, Paul Cézanne, Edgar Degas
und dreißig anderen Künstlern, die vom regulären Pariser Salon
zurückgewiesen wurden.
Das Bild stieß auf Ablehnung, zunächst jene der Kritiker (Beispiel: "Un
papier peint est plus travaillé que cette marine") und dann jene der
Besucher die angesichts der "mangelhaft ausgeführten Experimente"
entsetzt waren und sich über derartige „Schmierereien“ empörten. Die
Bilder seinen nichts weiter als "Skizzen". Von Monets Bild behaupteten
viele, sie könnten gar nicht erkennen, was überhaupt dargestellt sei. Was
für ein Armutszeugnis.
Die Ablehnung von Bildern im Salon des refusés hatte schon seit 1863
Tradition als sich Kaiser Napoleon III mit seiner Kaiserin selbst in die Arena
warf um Werke wie Manets Frühstück im Grünen als "hässlich" oder gar
"unanständig" zu bezeichnen. Von vielen heutigen Kunsthistorikern wird
diese Ausstellung jedoch als Geburtsstunde der Moderne bezeichnet.
Die Kritik an den Bildern des Salon des refusés hatte natürlich
Konsequenzen, vor allem finanzielle. Sie bewirkte, dass die Besucher
ausblieben und die Kosten nicht gedeckt werden konnten.
Dazu muss man wissen das die Juroren des regulären Pariser Salons alles
Akademiemitglieder waren, noch dazu nicht gewählte und oft vom Kaiser
ausgesuchte. Kein Wunder dass diese nur den traditionellen, von den
Kunstakademien geprägten Zeitgeschmack vertraten, und für Künstler der
Avantgarde wenig Verständnis mitbrachten. Künstler mit abweichender
Kunstauffassung hatten also wenig Chancen, im offiziellen Pariser Salon
ausgestellt zu werden. Selbst Gemälde von Gustave Courbet, der zu
diesem Zeitpunkt bereits zu den anerkannten Künstlern zählte, lehnte die
Jury regelmäßig ab.
Da es schon damals bei Kunst auch um Geld ging, spielten sich innerhalb
der Jury zahllose Intrigen ab, etwa um die Aufnahme bestimmter Künstler
sicherzustellen, denn im Pariser Salon ausgestellt, in der Presse gute
Besprechungen zu erhalten und gegebenenfalls sogar mit einer
Auszeichnung bedacht zu werden, war für einen Maler ein sicherer Weg,
Werke zu verkaufen oder Aufträge zu erhalten. Abgelehnte Bilder, die in
der Parallelausstellung des Salon des Refusés gezeigt werden mussten,
waren dagegen selten verkäuflich.
Dies wusste auch der Kunsthändler und Galerist Paul Durand-Ruel, einer
der ersten Käufer von Impressionisten, der später seinen Künstlern
Monatsgehälter zahlen würde, damit sich diese ganz aufs Malen
konzentrieren (sein erster Monet-Kauf war 1871). Das Bild Impressions
etging hm offenbar und wurde von einem Freund Monets (Ernest
Hoschédé) gekauft, und zwar für den relativen Pappenstiel von
800 francs. Da dieser wenig später Bankrott machte, erwarb es ein
anderer Freund (Georges de Bellio) für lächerliche 210 francs. Das Bild
blieb dann in Privathänden und gelangte 1938 in das Musée Marmottan,
wo es noch immer ausgestellt ist....
...ausser es wurde in der Zwischenzeit gestohlen, so wie am 27. Oktober
1985, als bewaffnete Räuber während der Öffnungszeiten in das Musée
eindrangen und es mit acht weiteren Werke Monets von den Wänden
rissen. Die Bilder wurden erst fünf Jahre später wiedergefunden.
Heute steht man kopfschüttelnd vor einem wunderbaren Bild im Wert
eines dreistelligen Millionenbetrags das ein klassisches Beispiel für die
unrühmliche Ablehnung einer neuen Stilrichtung ist.
Kritiker sollten wissen dass auch sie kritisiert werden können.